Als Oberhaupt des Zwiebelfalzers Münsters hat Pater Pius nicht nur seine Gemeinde vor Ort, sondern hin und wieder auch die verirrten Schäfchen aus dem protestantischen Hudelbux zu betreuen, die sich an hohen Festtagen im, dem der eher schlichten backsteinernen Hudelbuxer Kirche vorzuziehenden, repäsentativen Zwiebelfalzer Münster zum gemeinsamen Festgottesdienst zusammenfinden.

In Erwartung einer der ansonsten eher durch Vergesslichkeit und peinliche Aussetzer in Erinnerung bleibenden Predigten des Pries­ters warteten die Honoratioren und das ge­mei­ne Fußvolk beider Gemeinden an diesem Feiertag zum “Tag der erledigten Arbeit” (gewöhnlich am 1. Mai, aber da hatte jeder noch etwas zu erledigen) auf das Unvermeidliche und wurden schwer enttäuscht. Auf erstaunlich pfiffige Art und Weise und mit brillianten Insiderwissen nahm Pater Pius seine Schäfchen aufs Korn. Amüsierte sich der Sitznachbar zur Rechten noch königlich über den Verspotteten zur Linken, so war es im nächsten Moment er selbst, den der Priester ins Visier nahm.

Zügig machte das “Wunder von Zwiebelfalz” die Runde, das dem Pater über Nacht mit pointiertem Wissen über die Gemeinde gesegnet hatte. “Er muss eine Erscheinung gehabt haben”, flüsterten die Hudelbuxer Anstandsdamen ehrfurchtsvoll. Renate Runkel hatte sich noch während des Gottesdienstes in den Beichtstuhl zurückgezogen, um mit einer renommierten Werbeagentur die Marketingkampagne für das “Wunder von Zwiebelfalz” zu besprechen.

Dank der üblichen Schusseligkeit des Paters und einem mit drei Lakritzrollen bestochenen Messdiener konnte das “Wunder von Zwiebelfalz” von Zeitungsente Mechthild rasch aufgeklärt werden. Pater Pius neueste Geheimwaffe im Kampf für den Glauben, die er prompt am Altar vergaß und die vom aufräumenden Messdiener gefunden wurde, ist ein Quartett mit hoch geheimen Insiderinformationen über die wichtigsten Persönlichkeiten von Hudelbux und Zwiebelfalz. Das äußerst kompakte Quartett konnte der Priester während der Predigt leicht in seinem Gewand verstecken und mit den Informationen brillieren.

Pater Pius war nach der Predigt nicht zu sprechen. Obwohl erste Exemplare gleich nach der Predigt im Handel auftauchten, konnte der Herausgeber des Quartetts mit den brisanten Insiderinformationen noch nicht ermittelt werden.