Viktor Vektor

todkrank

Aderlass, Bulimie, Chemotherapie – Dr. Viktor Vektor beherrscht nicht nur das ABC der Medizin, sondern auch alle anderen Buchstaben von Demenz über Obduktion bis Zwangsneurose. In Theorie und Praxis.

Dr. Viktor Vektor hat seit langem die Ober­aufsicht über die psychische, physische und sonstige Gesundheit des Dorfpranger-Uni­ver­sums. Sein etwas schnöseliges und mitunter geis­tig abwesendes Auftreten täuscht: Viktor Vektor ist Arzt mit Leib und Seele und be­han­delt auch beides. Mit manchmal um­strit­tenen Methoden, was anzumerken ein Gebot der Wahrheitsliebe ist.

„Der Erfolg gibt mir recht“, verteidigt sich der Mediziner, der in der Tat auf eine beachtliche Erfolgsbilanz blickt: Schon als Vierjähriger nahm er erfolgreiche Kopftransplantationen bei Legomännchen vor, als Sechsjähriger schiente er ein Schaukelpferdbein, wenige Jahre später erlangte er mit der Heilung eines angefressenen Pfefferkuchenmannes („Es war ein psychisches Problem, wie das bei Angefressensein meistens ist“) eine frühe Be­rühmt­heit und erst kürzlich gelang ihm das spektakuläre Zusammensetzen und Wie­derbe­leben der Gebeine einer Reliquie.


Über das Privatleben der Koryphäe ist so gut wie nichts bekannt, angeblich soll er aber über ein sagenhaftes Vermögen verfügen. Allein dieser Ruf genügt, um Viktor Vektor zum gefragtesten Jungesellen in Zwiebelfalz und Umgebung zu machen. Bislang müssen sich potentielle Heiratskandidatinnen auf Anhimmeln aus der Ferne beschränken, weil es noch keine geschafft hat, an Schwester Abigail vorbei zu kommen, die „ihren“ Arzt auf jede erdenkliche Weise von Frauen abschottet.