Pater Pius

Messe

Pater Pius hat nur Liebe in seinem Herzen – für seine Schäfchen, seine Kirche und seinen Klingelbeutel. Er ist zu gut für diese Welt und hat sich zum Glück der Jenseitigen ver­schrieben.

Nichts liegt Pater Pius mehr am Herzen als das Seelenheil seiner Schäfchen. Als an­er­kannte Koryphäe in den Fachgebieten Sün­den­er­lass, Sühneopfer, Ablasshandel und Gna­de hat er sich zum einzigen zertifizierten Beicht­vater der Dorfpranger-Gemeinde hoch­ge­ar­beitet. Die korrekte Einhaltung des Kleri­ker-Sün­denerlass-Erlasses voraus­ge­setzt, bleibt bei ihm keine Bitte um Verge­bung vergebens.

Die allumfassende Liebe für seine Ge­mein­deschäfchen schließt einzig das Li­te­ra­tur­schaf Elke Heidschnuck aus, das sich die legendäre Schlechtenberg-Humboll-Bibel einverleibt hat, bevor Pater Pius Gelegenheit hatte, einen Blick in das Werk zu werfen. Diskussionen mit oder über den bibliophilen Widerkäuer schätzt der Pater wenig, weil sie ihn an den einzigen Fluch erinnern, der je seinen Lippen entfleuchte („Möge ihr das Heilige Buch im Magen liegen!“). Als Sühne nimmt er sie aber duldsam als eine der unzähligen Plagen und Prüfungen Gottes hin.


Bei theologischen Disputen mit dem rosawangigen Paters mit dem sonnigen Gemüt sind eine gewisse Vorsicht und eine umfassende Bibelfestigkeit geboten. Kommt man dem Pater mit ungenauen und nicht recht verifizierten Bibelzitaten, wird der sonst so sanfte Geistliche böse, was dem Sünder einen sanften Tadel und dem Pater Magengeschwüre und ein tagelanges schlechtes Gewissen einbringt.