Iratus Blaesus

hudelbux_kirche3

Schockiert vom urbanen Vakuum des Glaubens hat sich Iratus Blaesus selbst als Pfarrer von Hudelbux eingesetzt. Er selbst findet sich fantastisch, die andern finden ihn fanatisch.

Iratus Blaesus (sprich: Iratussss Bläässs­susss) ist ein typisches 68-er Blu­men­kind und Abkömmling konfessionslos-pan­theis­tischer Sozialschmarotzer, der eines Morgens verkatert, pleite und mit dem Wunsch aufwachte, Missionar zu werden.

Eigentlich wollte er Hudelbux nur als Sprung­brett in die Neue Welt benutzen. Statt eines Schiffes, das ihn über den Ozean brachte, betrat er das leerstehende Hudel­bu­xer Kir­chenschiff und ernannte sich selbst in einer er­grei­fenden Zeremonie vor leeren Bänken zum „Großinquisitor des Heiligen Klappstuhls“.


Er predigt mit einem starken Sprachfehler und der tiefen Überzeugung Spätberufener. Mit unnachgiebiger Härte gedenkt er die Öde und Stille aus der Hudelbuxer Kirche zu ver­treiben und selbige zu einem Ort des Frohlockens, der Lobhudelei und der Frömmelei zu machen. Als Verfolger ketzerischer Verderbtheit legt der Mann mit dem lupenrein weißen Priesterkragen und den beeindruckend gepflegten Fingernägeln nicht nur großen Wert auf die Reinheit des Glaubens, sondern auch auf die Reinheit seiner beklagenswert kahlen Kirche, deren Innenausstattung dazu neigt, verlustig zu gehen und auf dem Schwarz­markt zu verschwinden.

Der etwas fanatische Asket ist ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen, die seine feurigen Reden gerne aufzeichnen und über soziale Medien verbreiten. Die Hudelbuxer selbst bekommen ihren Stadtpfarrer hingegen kaum je zu Gesicht – Iratus Blaesus verlässt seine Kirche so gut wie nie (es geht das Gerücht, man könne ihn in Vollmondnächten über den Friedhof schleichen sehen), und seine Schäfchen sind meist mit anderen Dingen be­schäftigt als dem Kirchgang.