Am Zwiebelfalzer Ärztetag fallen Dutzende verliebte Krankenschwestern in Zwiebelfalz ein, um sich über unverheiratete Chefärzte und neueste Flirttechniken zu informieren.

Höhepunkt ist die jährliche Präsentation der Top-Ten-Liste der besten Partien unter den Göttern in Weiß, die regelmäßig von Dr. Viktor Vektor angeführt wird.

Ebenso regelmäßig, wenn auch mit gänzlich unterschiedlicher Motivation, streuen sowohl der Chefarzt als auch seine größte Bewunderin Schwester Abigail das Gerücht, Viktor Vektor sei bereits vergeben.

Heute, am Weltgesundheitstag, feiert Dr. Viktor Vektor, medizinische Allround-Koryphäe, seinen Geburtstag („Meine Berufung wurde mir quasi in die Wiege gelegt!“). Zum wiederholten Male wird der beliebteste Junggeselle auf weiter Flur in diesem Jahr 37. („Die 37 ist so eine fröhliche Zahl, und Heiterkeit ist das beste Rezept für ein glückliches und langes Leben.“)

Ab 10 Uhr können Freunde, Bewunderer und Verehrer von Viktor Vektor bei Schwester Abigail am Empfang der Schlossklinik Geschenke für den Arzt abgeben (Mindestwert 100 Taler). Mit „Freunden, Bewunderern und Verehrern“ sind übrigens ausdrücklich keine „Freundinnen, Bewunderinnen und Verehrerinnen“ gemeint! (Anm. d. Red. auf Drängen von Schwester Abigail)

Viktor Vektor wird sich in diesem Jahr nicht wie sonst üblich für mehrere Sekunden auf dem Balkon der Schlossklinik zeigen. Er ist krank. Wer etwas über ihn erfahren möchte, liest am besten seinen beeindruckenden Steckbrief.


Der Modezar von Hudelbux, Éstéphan Barbièrre, hat einen neuen Look kreiert, und die Damenwelt fällt reihenweise in Ohnmacht.

„Er ist ein Gott der Mode“, schwärmte Schwester Abigail nach der Präsentation. „Nur Viktor Vektor ist göttlicher.“
„Dieser Ausdruck“, säuselte Elke Heidschnuck. „Einfach umwerfend.“
„Jedes Kleid ist ein Unikat“, betonte der Meister. Dadurch bietet jedes Kleid einen zusätzlichen Mehrwert, den die Damen natürlich sofort erkannt haben.


„Beim Shopping habe ich meistens keine Hand mehr frei, um mein Portemonnaie aus der Tasche zu holen“, erklärte Schwester Abigail. „Mit der neuen Mode von Éstéphan Barbièrre stelle ich mich einfach vor den Barcodescanner und bezahle mit meinem Kleid. Wahnsinn!“

Bargeldloses Bezahlen auf die modische Art. Éstéphan Barbièrre macht die Damenwelt glücklich!

Pünktlich zur Zwiebelfalzer Buchmesse beutelt eine schwere Krise die eingeschworene literarische Gemeinschaft zwischen Literaturschaf Elke Heidschnuck und Bibliothekar Triple F. „Elke hat mich schwer enttäuscht“, hauchte Bibliothekar Fileas Flavius Florin mit letzter Atemkraft im Rahmen einer Not-Pressekonferenz, die angesichts seines zerrütteten Zustands in der Notaufnahme der Zwiebelfalzer Schlossklinik stattfand. „Hätte ich geahnt, dass sie so mit einem meiner Bücher umgeht, hätte ich ihr keines ausgeborgt!“

Normalerweise borge er sowieso keine Bücher aus seiner Bücherei aus, immerhin sei eine Bücherei für Bücher da und nicht für Leser. Bei Elke habe er eine Ausnahme gemacht. „Sie kommt aus einer Familie mit langer literaturkritischer Tradition, und ich habe mich sträflicherweise von ihrem umfassenden literarischen Wissen blenden lassen“, gestand der Bibliothekar zerknirscht eine Teilschuld an dem Malheur ein.

Eine Fotodokumentation des Dorfpranger hatte Elkes sträfliches Verhalten ans Licht gebracht. „Dass das Schaf ein Loch ins Buch beißt, hätte ich vielleicht noch verzeihen können, zumal es sich nur um Schwester Abigails Tagebuch handelte, das keinen besonderen literarischen Wert aufweist“, so Triple F. „Dass Elke ihren Fehler zu vertuschen versucht, ist viel schlimmer, und ein schwerer Vertrauensbruch.“ Am schlimmsten aber sei das Geflenne neben und über den Büchern. Das bringe das Raumklima empfindlich durcheinander und weiche auf Dauer die Seiten aller Bücher in der Bibliothek auf. „Unverzeihlich!“, so Fileas Flavius Florin.

Elke setzte sich tränenreich („Kann das Schaf nicht endlich mit dem Geheule aufhören!“, heulte Triple F.) gegen die Vorwürfe zur Wehr. „Ich habe Fileas gesagt, dass ich Bücher verschlinge, und ihm sogar gestanden, dass ich schnulzige Liebeserklärungen zum Fressen gern habe“, so Elke. Letzteres sei ihr zwar reichlich peinlich, aber man könne eben nicht aus seinem Fell.

Schwester Abigail ist nicht entzückt über das Schicksal ihres Tagebuchs.
Schwester Abigail ist nicht entzückt über die Kritik an ihrem Tagebuch, das auf unbekannten Wegen in den Bestand der Bücherei und damit in Elkes Hufe geriet.

Außerdem habe sie Abigails Tagebuch nicht wirklich verschlungen, sondern nur ein bisschen angefressen, was ihre Laune beim Lesen wiedergespiegelt habe. „Ich hatte mir von der Lektüre mehr Herzschmerz versprochen und nicht endlose Lobeshymnen auf Viktor Vektor„, so das reichlich unzufriedene Schaf. Insgesamt bleibe Abigails Tagebuch weit hinter allen noch so geringen Erwartungen zurück. „Die Gedichte für Dr. Vektor waren zum Heulen schlecht gereimt und gehen nicht einmal als Hausfrauenlyrik durch“, so Elkes vernichtendes Urteil. Insgesamt liege ihr die Lektüre ganz schön im Magen.

Wie und wie lange sich die Buchaffäre auf die dicke Freundschaft zwischen Elke („Ich bin nicht dick, ich bin nur plüschig!“) und Triple F. („Eigentlich sind Abigails Aufzeichnungen ja kein richtiges Buch.“) auswirkt, ist unklar. Ziemlich klar ist hingegen, dass es für beide Bücherfreunde besser ist, wenn sie Schwester Abigail in nächster Zeit aus dem Weg gehen, was im Rahmen der Zwiebelfalzer Buchmesse nicht ganz einfach sein dürfte, da Dr. Viktor Vektor auf der Messe sein 2.789 Seiten starkes neuestes Fachbuch vorträgt (zur Gänze!), und Abigail nun mal seine ergebenste Zuhörerin ist.

Die Panama Papers schlagen hohe Wellen, die jetzt auch die Hudelbuxer Bucht und den Zwiebelfalzer Dorfteich erreichen.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch der Name „von Hudelbux“ in der Liste der Besitzer von Briefkastenfirmen auftaucht, die gemeinhin als Panama Papers bekannt wurden. Nach zweitägigen Ausflüchten („… von Hudelbux ist ein weit verbreiteter Name …“,“… ein Schreibfehler. Ich kannte mal einen Spanier, der hieß Don Dudelbux …“) musste der Hudelbuxer Bürgermeister letztendlich einräumen, zumindest Mitinhaber einer Briefkastenfirma zu sein.


Die Firma sei aber nur sehr klein, gab das Stadtoberhaupt zu Protokoll. Pro Woche würden maximal drei Briefkästen gebaut und verkauft. Es würden nur ökologisch einwandfreie Materialien verbaut und die Einnahmen kämen karitativen Organisationen zugute. Der Kämmerer kündigte eine Prüfung an, und auch die Anstandsdamen zeigten sich an dem Fall interessiert. „Dass Hugo von Hudelbux Worte wie ‚ökologisch‘ und ‚karitativ‘ nicht nur kennt, sondern sogar ohne Stottern aussprechen kann, könnte andeuten, dass bei ihm möglicherweise doch Potenzial für eine moralisch-ethisch-charakterliche Entwicklung vorhanden ist“, schnieften die gerührten Anstandsdamen in ihre Taschentücher.

Der zweite prominente Name führt in die Zwiebelfalzer Schlossklinik. Dr. Viktor Vektor, gut dotierter Chefarzt und Gott in Weiß, wurde bisher  zwar (noch nicht) identifiziert, dafür aber Schwester Abigail. Auf einer Pressekonferenz im OP-Saal II der Schlossklinik gestand die sonst eher resolut auftretende Krankenschwester ihre Teilhaberschaft an einer Briefkastenfirma kleinlaut ein. Die Frage nach den Beweggründen war ihr sichtlich peinlich.


Nach Recherchen des Dorfprangers hat die Zwiebelfalzer Post seit Anfang des Jahres keine Briefe mehr von Schwester Abigail angenommen. „Die Mitarbeiter, die die Briefkästen geleert haben, mussten Gasmasken tragen“, so der Oberpostrat von Zwiebelfalz und Hudelbux. Jeden Tag seien Dutzende parfümierte Liebesbriefe an Dr. Viktor Vektor eingeworfen worden. Aus Rücksicht auf die Gesundheit der Mitarbeiter habe man sich schließlich zu diesem außergewöhnlichen Schritt entschlossen.

Zum Glück für Schwester Abigail hatte eine Briefkastenfirma aus Panama Ende des letzten Jahres einen patentierten Briefkasten auf den Markt gebracht, der eingeworfene Briefe sofort vakuumsicher verschweißt. In einem Pilotversuch wurden sämtliche Briefkästen in Zwiebelfalz ausgetauscht und Schwester Abigail stille Teilhaberin der Briefkastenfirma.

Der Valentinstag ist über Hudelbux und Zwiebelfalz hereingebrochen. Mounty Roberts hat vorsichtshalber den Ausnahmezustand verhängt.

Die morgendliche Andacht im Zwiebelfalzer Münster nutzten die zahlreichen Vertreter des ein bisschen erkrankten Pater Pius für das ein oder andere pathetische Valentins­tags­gesumse.

Schwester Abigail eröffnete den Liebesreigen mit einem sentimental-kitschigen Gebet für die Ärzte der Welt im Allgemeinen und den einen in Zwiebelfalz im Besonderen. Das Publikum quitierte den zweistündigen Monolog mit einem genervten „Amen“.

Das unfreiwillig komische Liebesgedicht „Bocksprünge“ von Elke Heidschnuck lockerte die Atmosphäre etwas auf. Bei den Zuhörern flossen reichlich Lachtränen. Auch die Autorin vergoss dicke Krokodilstränen. Ob vor Rührung oder Wut ist nicht bekannt.

Hugo von Hudelbux verlor bei seiner Rede den Faden, den Renate Runkel anschließend wieder aufnahm und an der Legende strickte, dass Zwiebelfalz schon seit Menschengedenken die Pilgerstädte der Verliebten sei.

Kontrovers wurde es dann zum Schluss des ungewöhnlichen Ersatzgottesdient, als der Inquisitor den Valentinstag für sich und seinen Berufsstand beanspruchte, da er und seinesgleichen schon seit Jahrhunderten die Liebe (manchmal auch mit ein bisschen Vehemenz) in die Welt tragen würden.