Für Ärger sorgt regelmäßig die  Online-Plattform „meinMuenster.zw“ von Pater Pius. Unter dem Slogan „Komponiere deine Münstermelodie“ können Benutzer dort, gegen einen bestimmten Obulus für den Klingelbeutel des Paters, die Glocken des Zwiebelfalzer Münsters fernsteuern.

„Jeder Benutzer kann sich am Bildschirm sein eigenes Musikstück komponieren. Es gibt aber auch vorgefertigte Musikstücke für den musikalischen Laien“, so der begeisterte Pater. Der Besucheransturm ist enorm.

Die Zwiebelfalzer sind wenig begeistert. „Ständig dieses furchtbare Gebimmel“, schimpfte der Bibliothekar von Zwiebelfalz, Fileas Flavius Florin. „Die Leute sind so unmusikalisch.“

Die Bürgermeisterin von Zwiebelfalz, Renate Runkel, sprach sich für eine zeitliche Begrenzung aus. „Niemand muss um 00:30 ein Remake von Purple Rain in Halbtonlage auf den Glocken des Zwiebelfalzer Münsters abspielen.“

Bedenken äußerten auch die Dorfpranger-internen IT-Spezialisten. „meinMuenster.zw ist leider überhaupt nicht sicher“, so ein anonymer Hacker. „Selbst IT-Laien können mit einem schnöden Glockenspiel von außen Melodien in das System einspeisen, die dann abgespielt werden.“ Das öffne Missbrauch und Schwarzmarktgeschäften Tor und Tür.

Der Valentinstag bricht jedes Jahr über Hudelbux und Zwiebelfalz herein. Zwei Tage vorher verhängt Mounty Roberts vorsichtshalber den Ausnahmezustand über beide Metropolen.

Die morgendliche Andacht im Zwiebelfalzer Münster nutzen die zahlreichen Vertreter des meist an diesem Tag ein bisschen erkrankten Pater Pius für das ein oder andere pathetische Valentins­tags­gesumse.

Schwester Abigail eröffnet den Liebesreigen gern mit einem sentimental-kitschigen Gebet für die Ärzte der Welt im Allgemeinen und den einen in Zwiebelfalz im Besonderen. Das Publikum quitiert den zweistündigen Monolog überaus oft mit einem genervten „Amen“.

Das unfreiwillig komische Liebesgedicht „Bocksprünge“ von Elke Heidschnuck lockert dann die Atmosphäre immer wieder auf. Bei den Zuhörern fliessen dann reichlich Lachtränen, bei der Autorin dicke Krokodilstränen. Ob vor Rührung oder Wut ist nicht bekannt.

Hugo von Hudelbux verliert bei seiner Rede immer den Faden, den Renate Runkel anschließend wieder aufnimmt und an der Legende strickt, dass Zwiebelfalz schon seit Menschengedenken die Pilgerstädte der Verliebten sei.

Kontrovers wird es dann zum Schluss des ungewöhnlichen Ersatzgottesdient immer, wenn der Inquisitor den Valentinstag für sich und seinen Berufsstand beansprucht, da er und seinesgleichen schon seit Jahrhunderten die Liebe (manchmal auch mit ein bisschen Vehemenz) in die Welt tragen würden.

Von exklusiv-hektisch bis stilvoll-gelangweilt: Die Prominenz der Metropolen Hudelbux und Zwiebelfalz verbringt das diesjährige Silvester äußerst unterschiedlich.

Hugo von Hudelbux will die sommerlichen Temperaturen nutzen und lädt zum Grillen auf dem Hudelbuxer Rathausplatz ein.

„Dazu gibt es Cocktails mit diesen lustigen bunten Schirmchen“, freut sich der Hudelbuxer Bürgermeister.

Renate Runkel feiert ökologisch korrekt und lädt zum Veggie(Jahres)Wechsel ein. „Der Jahreswechsel soll die Leute zum Wechsel der Ernährung anregen“, so die Zwiebelfalzer Bürgermeisterin.

Die Hudelbuxer Anstandsdamen liefern den moralischen Überbau, Schwester Abigail die Pillen mit den fehlenden Vitaminen. „Bei uns gibt es das ganze Paket“, so die vegane Front einstimmig.

Pater Pius will diesmal alles ganz anders machen. „Jedesmal dieses Gebimmel. Da muss man doch mal etwas Neues, Frisches dagegen setzen“, frohlockt der Zwiebelfalzer Hirte verheißungsvoll.

Im Duett mit seiner Haushälterin Marie will der Pater um Schlag Mitternacht die Ode an die Freude in der überarbeiteten Fassung für Fagott und Maultrommel auf dem linken Münsterturm zum Besten geben. Der Pater erwartet zahlreiche (freiwillige) Zuhörer.

„Spätestens am Sonntag bei der Beichte erfahre ich, wer geschwänzt hat“, mahnte der Pater mit erhobenen Zeigefinger.

Die traditionelle Messe am Weihnachtsabend auf dem Hudelbuxer Rathausmarkt, die ursprünglich mit einer kurzen Andacht vom Inquisitor begann und einem kleinen aber feinen Konzert der Zwiebelfalzer Blechbläser unter der Leitung von Renate Runkel beendet wurde, ist inzwischen völlig aus dem Ruder gelaufen und für die Hälfte des Hudelbuxer Haushaltsdefizits und die immer länger andauernden Kuraufenthalte des Kämmerers verantwortlich.

Nach den ersten (friedlichen) Weihnachtsmessen meldeten sich auch Pater Pius (natürlich nur auf Drängen seiner Herde), Literaturschaf Elke Heidschnuck (auf Drängen ihrer Herde), Bürgermeister Hugo von Hudelbux (auf Drängen der Bürger), Zeitungsente Mechthild (auf Drängen der Leser) und viele, viele weitere Zwiebelfalzer und Hudelbuxer regelmäßig zu Wort.

Die musikalische Eskalation verlief proportional. Nach den Blechbläsern folgte der Hudelbuxer Shantychor „Ahoi“, der Flötenverein „Hohes Fis“, der Hornbläserverein der Räuber aus dem Böse-Buben-Wald und viele andere namhafte Gruppen aus den beiden Metropolen.

Die Mega-Veranstaltung, mit dem logistischen Aufwand einer Olympiade,  erhebt inzwischen Anspruch auf den Titel der längsten Weihnachtsmesse der Welt und ist dafür verantworlich, dass in Hudelbux und Zwiebelfalz noch drei weitere Weinachtstage eingeführt wurden.

Mit einem großartigen Schi-Opening begrüßte Zwiebelfalz den Winter und eröffnete die Wintersportsaison. Alles, was sich Schier anschnallen konnte, fand sich am Wochenende auf dem Pfarrhügel ein. Besonders hervorgetan hat sich dabei Zeitungsente Mechtild, die mit ihrem innovativen Fahrstil (Mechtilds Formulierung) die anderen Schifahrer das Fürchten lehrte.

„Diese Rowdyente hat mich glatt über den Haufen gefahren“, empörte sich Renate Runkel, nachdem sie sich nur mit Mühe wieder aus einem riesigen Schneehaufen befreien konnte. „Derart rücksichtsloses Federvieh hat auf der Piste wirklich nichts verloren.“

„Renate Runkel hat eine beachtliche Menge Schnee geschluckt, ist aber ansonsten wohlauf“, beruhigte Dr. Viktor Vektor die besorgten Gemeindemitglieder, nachdem er elegant auf Schiern zum Unfallort gewedelt war. Bösen Gerüchten zufolge soll der Arzt die Ente bestochen haben, einen Unfall zu provozieren, um selbst als Arzt sein schifahrerisches Können unter Beweis stellen zu dürfen.