Der Valentinstag bricht jedes Jahr über Hudelbux und Zwiebelfalz herein. Zwei Tage vorher verhängt Mounty Roberts vorsichtshalber den Ausnahmezustand über beide Metropolen.

Die morgendliche Andacht im Zwiebelfalzer Münster nutzen die zahlreichen Vertreter des meist an diesem Tag ein bisschen erkrankten Pater Pius für das ein oder andere pathetische Valentins­tags­gesumse.

Schwester Abigail eröffnet den Liebesreigen gern mit einem sentimental-kitschigen Gebet für die Ärzte der Welt im Allgemeinen und den einen in Zwiebelfalz im Besonderen. Das Publikum quitiert den zweistündigen Monolog überaus oft mit einem genervten „Amen“.

Das unfreiwillig komische Liebesgedicht „Bocksprünge“ von Elke Heidschnuck lockert dann die Atmosphäre immer wieder auf. Bei den Zuhörern fliessen dann reichlich Lachtränen, bei der Autorin dicke Krokodilstränen. Ob vor Rührung oder Wut ist nicht bekannt.

Hugo von Hudelbux verliert bei seiner Rede immer den Faden, den Renate Runkel anschließend wieder aufnimmt und an der Legende strickt, dass Zwiebelfalz schon seit Menschengedenken die Pilgerstädte der Verliebten sei.

Kontrovers wird es dann zum Schluss des ungewöhnlichen Ersatzgottesdient immer, wenn der Inquisitor den Valentinstag für sich und seinen Berufsstand beansprucht, da er und seinesgleichen schon seit Jahrhunderten die Liebe (manchmal auch mit ein bisschen Vehemenz) in die Welt tragen würden.

Hochspannung im Januar: Wie im jeden Jahr wählt der Dorfpranger die drei peinlichsten Hudelbuxer & Zwiebelfalzer.

Und wie im jeden Jahr sagen viele Hudelbuxer: Hey, das ist doch ganz einfach. Auf Platz 1 bis 3 sitzt doch unser Bürgermeister und dann kommt ganz lange nichts.


Auch wenn an dieser ein wenig voreingenommenen Aussage der ein oder andere Funke (andere würden sagen Großbrand) Wahrheit dran ist, der Dorfpranger scheut keine Arbeit und Mühe und durchwühlt jedes Jahr auf’s Neue sein Archiv nach den peinlichsten Auftritten in den vergangenen 365 Tage.

Dieses Jahr war es besonders spannend, haben doch alle Protagonisten ihr Bestes gegeben. Hier also die offizielle Dorfpranger-Liste der drei peinlichsten Hudelbuxer & Zwiebelfalzer 2018:

Platz 3: Die Räuber haben sich mit ihrer Facebook-Panne, bei der der Böse-Buben-Wald wegen Überfüllung geschlossem werden musste, den 3.Platz redlich verdient.

 

 

Platz 2: Hugo von Hudelbux. Der Bürgermeister von Hudelbux schafft es dieses Jahr nur auf den zweiten Platz. Wir prämieren damit das Chaos, das Hugo mit seiner Sockensortiermaschine angerichtet hat.

 

Platz 1: Pater Pius. Und den hat er sich reichlich verdient. Er hat ein lausiges Namensgedächnis und wird auch schon mal von seinen Schäfchen vermöbelt.

 

Von exklusiv-hektisch bis stilvoll-gelangweilt: Die Prominenz der Metropolen Hudelbux und Zwiebelfalz verbringt das diesjährige Silvester äußerst unterschiedlich.

Hugo von Hudelbux will die sommerlichen Temperaturen nutzen und lädt zum Grillen auf dem Hudelbuxer Rathausplatz ein.

„Dazu gibt es Cocktails mit diesen lustigen bunten Schirmchen“, freut sich der Hudelbuxer Bürgermeister.

Renate Runkel feiert ökologisch korrekt und lädt zum Veggie(Jahres)Wechsel ein. „Der Jahreswechsel soll die Leute zum Wechsel der Ernährung anregen“, so die Zwiebelfalzer Bürgermeisterin.

Die Hudelbuxer Anstandsdamen liefern den moralischen Überbau, Schwester Abigail die Pillen mit den fehlenden Vitaminen. „Bei uns gibt es das ganze Paket“, so die vegane Front einstimmig.

Pater Pius will diesmal alles ganz anders machen. „Jedesmal dieses Gebimmel. Da muss man doch mal etwas Neues, Frisches dagegen setzen“, frohlockt der Zwiebelfalzer Hirte verheißungsvoll.

Im Duett mit seiner Haushälterin Marie will der Pater um Schlag Mitternacht die Ode an die Freude in der überarbeiteten Fassung für Fagott und Maultrommel auf dem linken Münsterturm zum Besten geben. Der Pater erwartet zahlreiche (freiwillige) Zuhörer.

„Spätestens am Sonntag bei der Beichte erfahre ich, wer geschwänzt hat“, mahnte der Pater mit erhobenen Zeigefinger.

Die traditionelle Messe am Weihnachtsabend auf dem Hudelbuxer Rathausmarkt, die ursprünglich mit einer kurzen Andacht vom Inquisitor begann und einem kleinen aber feinen Konzert der Zwiebelfalzer Blechbläser unter der Leitung von Renate Runkel beendet wurde, ist inzwischen völlig aus dem Ruder gelaufen und für die Hälfte des Hudelbuxer Haushaltsdefizits und die immer länger andauernden Kuraufenthalte des Kämmerers verantwortlich.

Nach den ersten (friedlichen) Weihnachtsmessen meldeten sich auch Pater Pius (natürlich nur auf Drängen seiner Herde), Literaturschaf Elke Heidschnuck (auf Drängen ihrer Herde), Bürgermeister Hugo von Hudelbux (auf Drängen der Bürger), Zeitungsente Mechthild (auf Drängen der Leser) und viele, viele weitere Zwiebelfalzer und Hudelbuxer regelmäßig zu Wort.

Die musikalische Eskalation verlief proportional. Nach den Blechbläsern folgte der Hudelbuxer Shantychor „Ahoi“, der Flötenverein „Hohes Fis“, der Hornbläserverein der Räuber aus dem Böse-Buben-Wald und viele andere namhafte Gruppen aus den beiden Metropolen.

Die Mega-Veranstaltung, mit dem logistischen Aufwand einer Olympiade,  erhebt inzwischen Anspruch auf den Titel der längsten Weihnachtsmesse der Welt und ist dafür verantworlich, dass in Hudelbux und Zwiebelfalz noch drei weitere Weinachtstage eingeführt wurden.

Statt durch diverse Firmen- und Behördenweihnachtsfeiern an unterschiedlichen Tagen und Orten das öffentliche Leben im Monat Dezember nahezu lahm zu legen, treffen sich die Hudelbuxer und Zwiebelfalzer am 18. Dezember zur einzig wahren Weihnachtsfeier  in der Zwiebelfalzer Schlossklinik.
Das traditionelle Unterhaltungsprogramm erfreut sich dabei stets außerordentlicher Beliebtheit und wird jedes Jahr von den gleichen Akteuren bestritten: Hugo von Hudelbux scheitert regelmäßg mehr als grandios beim Versuch, die Weihnachtsfeier durch eine stümperhaft ausgeführte Intrige ins Hudelbuxer Rathaus zu verlegen, Schwester Abigail verteidigt Dr. Viktor Vektor erfolgreich gegen jegliche weibliche Avancen, und der pünktlich um Mitternacht eskalierende literarische Streit zwischen Elke Heidschnuck und Bibliothekar Tripple F begeistert eine stetig wachsende Fan-Gemeinde.

Höhepunkt ist jedoch immer der theatralische Zusammenbruch von Kämmerer Friedrich Kümmerlein nach Erhalt der Catering-Rechnung kurz vor Schluß der Veranstaltung.  Das führt jedes Jahr zu wahren Begeisterungsstürmen unter den Zuschauern.