Der Valentinstag bricht jedes Jahr über Hudelbux und Zwiebelfalz herein. Zwei Tage vorher verhängt Mounty Roberts vorsichtshalber den Ausnahmezustand über beide Metropolen.

Die morgendliche Andacht im Zwiebelfalzer Münster nutzen die zahlreichen Vertreter des meist an diesem Tag ein bisschen erkrankten Pater Pius für das ein oder andere pathetische Valentins­tags­gesumse.

Schwester Abigail eröffnet den Liebesreigen gern mit einem sentimental-kitschigen Gebet für die Ärzte der Welt im Allgemeinen und den einen in Zwiebelfalz im Besonderen. Das Publikum quitiert den zweistündigen Monolog überaus oft mit einem genervten „Amen“.

Das unfreiwillig komische Liebesgedicht „Bocksprünge“ von Elke Heidschnuck lockert dann die Atmosphäre immer wieder auf. Bei den Zuhörern fliessen dann reichlich Lachtränen, bei der Autorin dicke Krokodilstränen. Ob vor Rührung oder Wut ist nicht bekannt.

Hugo von Hudelbux verliert bei seiner Rede immer den Faden, den Renate Runkel anschließend wieder aufnimmt und an der Legende strickt, dass Zwiebelfalz schon seit Menschengedenken die Pilgerstädte der Verliebten sei.

Kontrovers wird es dann zum Schluss des ungewöhnlichen Ersatzgottesdient immer, wenn der Inquisitor den Valentinstag für sich und seinen Berufsstand beansprucht, da er und seinesgleichen schon seit Jahrhunderten die Liebe (manchmal auch mit ein bisschen Vehemenz) in die Welt tragen würden.

Die traditionelle Messe am Weihnachtsabend auf dem Hudelbuxer Rathausmarkt, die ursprünglich mit einer kurzen Andacht vom Inquisitor begann und einem kleinen aber feinen Konzert der Zwiebelfalzer Blechbläser unter der Leitung von Renate Runkel beendet wurde, ist inzwischen völlig aus dem Ruder gelaufen und für die Hälfte des Hudelbuxer Haushaltsdefizits und die immer länger andauernden Kuraufenthalte des Kämmerers verantwortlich.

Nach den ersten (friedlichen) Weihnachtsmessen meldeten sich auch Pater Pius (natürlich nur auf Drängen seiner Herde), Literaturschaf Elke Heidschnuck (auf Drängen ihrer Herde), Bürgermeister Hugo von Hudelbux (auf Drängen der Bürger), Zeitungsente Mechthild (auf Drängen der Leser) und viele, viele weitere Zwiebelfalzer und Hudelbuxer regelmäßig zu Wort.

Die musikalische Eskalation verlief proportional. Nach den Blechbläsern folgte der Hudelbuxer Shantychor „Ahoi“, der Flötenverein „Hohes Fis“, der Hornbläserverein der Räuber aus dem Böse-Buben-Wald und viele andere namhafte Gruppen aus den beiden Metropolen.

Die Mega-Veranstaltung, mit dem logistischen Aufwand einer Olympiade,  erhebt inzwischen Anspruch auf den Titel der längsten Weihnachtsmesse der Welt und ist dafür verantworlich, dass in Hudelbux und Zwiebelfalz noch drei weitere Weinachtstage eingeführt wurden.

Statt durch diverse Firmen- und Behördenweihnachtsfeiern an unterschiedlichen Tagen und Orten das öffentliche Leben im Monat Dezember nahezu lahm zu legen, treffen sich die Hudelbuxer und Zwiebelfalzer am 18. Dezember zur einzig wahren Weihnachtsfeier  in der Zwiebelfalzer Schlossklinik.
Das traditionelle Unterhaltungsprogramm erfreut sich dabei stets außerordentlicher Beliebtheit und wird jedes Jahr von den gleichen Akteuren bestritten: Hugo von Hudelbux scheitert regelmäßg mehr als grandios beim Versuch, die Weihnachtsfeier durch eine stümperhaft ausgeführte Intrige ins Hudelbuxer Rathaus zu verlegen, Schwester Abigail verteidigt Dr. Viktor Vektor erfolgreich gegen jegliche weibliche Avancen, und der pünktlich um Mitternacht eskalierende literarische Streit zwischen Elke Heidschnuck und Bibliothekar Tripple F begeistert eine stetig wachsende Fan-Gemeinde.

Höhepunkt ist jedoch immer der theatralische Zusammenbruch von Kämmerer Friedrich Kümmerlein nach Erhalt der Catering-Rechnung kurz vor Schluß der Veranstaltung.  Das führt jedes Jahr zu wahren Begeisterungsstürmen unter den Zuschauern.

Die Zwiebelfalzer Buchmesse ist das literarische Event des Jahres. Internationale (einige wenige) und regionale (einige mehr)  Fachaussteller strömen jedes Jahr in die ländliche Metropole, um die neuesten Machwerke einem kritischen Publikum (Oma, Elke Heidschnuck, Fileas Flavius Florin, …) zu präsentieren.

Ein spannendes Rahmenprogramm (Oma liest aus ihren Memoiren) und internationale Künstler (Flötenverein Hohes Fis) runden das poetische Highlight in der Zwiebelfalzer Bücherei ab.

Die Hudelbuxer Anstandsdamen haben die üblichen Anschlagsversuche des Hudelbuxer Bürgermeisters auf das moralische und geistige Niveau der Veranstaltung erfolgreich abgewehrt. Die im Hudelbuxer Self-Publishing-Verlag ‚Hugo’s Best‘ erschienen Machwerke wurden nicht zugelassen. Pater Pius Meisterwerk ‚Fifty shades to pray‘ wurde dagegen von den Anstandsdamen hoch gelobt.

 

Das jährliche TeamEvent, das die Bürger von Hudelbux & Zwiebelfalz zusammenschweißen soll und regelmäßig das Gegenteil bewirkt, beginnt traditionell mit einer Sternenwanderung von Hudelbux und Zwiebelfalz zum Zeltplatz „Zum blutigen Schafott“ im Böse-Buben-Wald.

Auf dem Weg dorthin gehen im Schnitt 50 – 70% der Teilnehmer mehr oder weniger freiwillig verloren (bzw. nutzen die Chance, was der Grund ist, warum die Sternwanderung gleichzeitig eine Sternenwanderung in möglichst dunkler Neumondnacht ist …).

Dann beginnt in der Regel das gemeinsame Zeltaufbauen, was sich bei manchem Teilnehmer auch über drei bis vier Tage erstreckt (unangefochtener Rekordhalter ist Hugo von Hudelbux, der auch zwei Wochen nach einem Teamevent sein Zelt noch nicht fertig aufgestellt hatte). Die Minimalisten (Renate Runkel, Elke Heidschnuck) rollen ihren Schlafsack bzw. ihr Stroh in Sekunden aus.

Findige Geister wie Bibliothekar Fileas Flavius Florin punkten mit Wurfzelten zwar beim raschen Aufbau, verlieren diesen Vorsprung aber spätestens beim Abbau der sperrigen Teile, die sich nie wieder so zusammenfalten lassen wie ursprünglich. (Elke hingegen frisst ihr Stroh einfach auf, das dauert keine fünf Minuten und ist damit das nachhaltigste Schlafplatzkonzept des Events.) Routiniert und souverän präsentiert sich jedes Jahr die Wahrsagerin Claire Voyance, die nicht nur das schönste Zelt hat (nachtblau mit Sternen, und von innen viel geräumiger als von außen), sondern auch zielsicher die Zukunft eines jeden Zeltaufbauprojekts vorhersagen kann.

Das anschließende Grillen endet regelmäßig in einem hitzigen verbalen Schlagabtausch zwischen Hardcorevegetariern (Elke Heidschnuck & Zeitungsente Mechthild) und Fleischfressern (Hugo von Hudelbux). Spätestens wenn Hugo demonstrativ sein Lammfleisch auf den Grill wirft, bricht Elke, deren Nervenkostüm schon allein wegen des Schafs in „Schafott“ schon genug angeknackst ist, in Tränen aus.

Die Nacht bleibt eigentlich immer weitgehend friedlich, sieht man vom Lärm der „immer noch“ bzw. „schon wieder“ Zeltaufbauer ab. Manche Teilnehmer versuchen regelmäßig, die physikalischen Gesetze der Zeltstatik zu widerlegen und müssen sich ein Scheitern ihrer Konstruktion spätestens nach der ersten Drehung im Schlafsack eingestehen.

Den abschließenden Gottesdienst am nächsten Morgen muss Pater Pius meistens mit sich selbst abhalten, da die einen bereits frühzeitig abgereist bzw. die anderen erst verspätet mit dem Zeltaufbau fertig geworden und noch viel zu grätig für ein fröhliches Hallelujah sind.