Statt durch diverse Firmen- und Behördenweihnachtsfeiern an unterschiedlichen Tagen und Orten das öffentliche Leben im Monat Dezember nahezu lahm zu legen, treffen sich die Hudelbuxer und Zwiebelfalzer am 18. Dezember zur einzig wahren Weihnachtsfeier  in der Zwiebelfalzer Schlossklinik.
Das traditionelle Unterhaltungsprogramm erfreut sich dabei stets außerordentlicher Beliebtheit und wird jedes Jahr von den gleichen Akteuren bestritten: Hugo von Hudelbux scheitert regelmäßg mehr als grandios beim Versuch, die Weihnachtsfeier durch eine stümperhaft ausgeführte Intrige ins Hudelbuxer Rathaus zu verlegen, Schwester Abigail verteidigt Dr. Viktor Vektor erfolgreich gegen jegliche weibliche Avancen, und der pünktlich um Mitternacht eskalierende literarische Streit zwischen Elke Heidschnuck und Bibliothekar Tripple F begeistert eine stetig wachsende Fan-Gemeinde.

Höhepunkt ist jedoch immer der theatralische Zusammenbruch von Kämmerer Friedrich Kümmerlein nach Erhalt der Catering-Rechnung kurz vor Schluß der Veranstaltung.  Das führt jedes Jahr zu wahren Begeisterungsstürmen unter den Zuschauern.

Die Zwiebelfalzer Buchmesse ist das literarische Event des Jahres. Internationale (einige wenige) und regionale (einige mehr)  Fachaussteller strömen jedes Jahr in die ländliche Metropole, um die neuesten Machwerke einem kritischen Publikum (Oma, Elke Heidschnuck, Fileas Flavius Florin, …) zu präsentieren.

Ein spannendes Rahmenprogramm (Oma liest aus ihren Memoiren) und internationale Künstler (Flötenverein Hohes Fis) runden das poetische Highlight in der Zwiebelfalzer Bücherei ab.

Die Hudelbuxer Anstandsdamen haben die üblichen Anschlagsversuche des Hudelbuxer Bürgermeisters auf das moralische und geistige Niveau der Veranstaltung erfolgreich abgewehrt. Die im Hudelbuxer Self-Publishing-Verlag ‘Hugo’s Best’ erschienen Machwerke wurden nicht zugelassen. Pater Pius Meisterwerk ‘Fifty shades to pray’ wurde dagegen von den Anstandsdamen hoch gelobt.

 

Das jährliche TeamEvent, das die Bürger von Hudelbux & Zwiebelfalz zusammenschweißen soll und regelmäßig das Gegenteil bewirkt, beginnt traditionell mit einer Sternenwanderung von Hudelbux und Zwiebelfalz zum Zeltplatz “Zum blutigen Schafott” im Böse-Buben-Wald.

Auf dem Weg dorthin gehen im Schnitt 50 – 70% der Teilnehmer mehr oder weniger freiwillig verloren (bzw. nutzen die Chance, was der Grund ist, warum die Sternwanderung gleichzeitig eine Sternenwanderung in möglichst dunkler Neumondnacht ist …).

Dann beginnt in der Regel das gemeinsame Zeltaufbauen, was sich bei manchem Teilnehmer auch über drei bis vier Tage erstreckt (unangefochtener Rekordhalter ist Hugo von Hudelbux, der auch zwei Wochen nach einem Teamevent sein Zelt noch nicht fertig aufgestellt hatte). Die Minimalisten (Renate Runkel, Elke Heidschnuck) rollen ihren Schlafsack bzw. ihr Stroh in Sekunden aus.

Findige Geister wie Bibliothekar Fileas Flavius Florin punkten mit Wurfzelten zwar beim raschen Aufbau, verlieren diesen Vorsprung aber spätestens beim Abbau der sperrigen Teile, die sich nie wieder so zusammenfalten lassen wie ursprünglich. (Elke hingegen frisst ihr Stroh einfach auf, das dauert keine fünf Minuten und ist damit das nachhaltigste Schlafplatzkonzept des Events.) Routiniert und souverän präsentiert sich jedes Jahr die Wahrsagerin Claire Voyance, die nicht nur das schönste Zelt hat (nachtblau mit Sternen, und von innen viel geräumiger als von außen), sondern auch zielsicher die Zukunft eines jeden Zeltaufbauprojekts vorhersagen kann.

Das anschließende Grillen endet regelmäßig in einem hitzigen verbalen Schlagabtausch zwischen Hardcorevegetariern (Elke Heidschnuck & Zeitungsente Mechthild) und Fleischfressern (Hugo von Hudelbux). Spätestens wenn Hugo demonstrativ sein Lammfleisch auf den Grill wirft, bricht Elke, deren Nervenkostüm schon allein wegen des Schafs in “Schafott” schon genug angeknackst ist, in Tränen aus.

Die Nacht bleibt eigentlich immer weitgehend friedlich, sieht man vom Lärm der “immer noch” bzw. “schon wieder” Zeltaufbauer ab. Manche Teilnehmer versuchen regelmäßig, die physikalischen Gesetze der Zeltstatik zu widerlegen und müssen sich ein Scheitern ihrer Konstruktion spätestens nach der ersten Drehung im Schlafsack eingestehen.

Den abschließenden Gottesdienst am nächsten Morgen muss Pater Pius meistens mit sich selbst abhalten, da die einen bereits frühzeitig abgereist bzw. die anderen erst verspätet mit dem Zeltaufbau fertig geworden und noch viel zu grätig für ein fröhliches Hallelujah sind.

Der Vegetarier Tag wurde von Elke Heidschnuck und Zeitungsente Mechthild ins Leben gerufen, um gegen den Verzehr ihrer Verwandschaft zu protestieren. Wenigstens an diesem Tag sollen die Bürger auf Fleischkonsum freiwillig verzichten.

Ein komplettes Fleischverbot in Hudelbux und Zwiebelfalz scheiterte bisher an dem Veto des Hudelbuxer Bürgermeisters (“Einmal am Tag brauche ich Haxe!”). Eine von Elke iniziierte spektakuläre Werbeaktion, bei der sie den Papiertiger “Ich fresse Gras statt Schaf”-skandierend durch die Straßen ziehen ließ, verschreckte die potenziellen Teilnehmer nachhaltig.

Der Feiertag geriet zudem in die Kritik der örtlichen Moral- und Gesetzeshüter, da diese vermuten, es sei ein weiterer Versuch Elkes, ihren öffentlichen Graskonsum salonfähig zu machen.

Zu einem ernsten Zwischenfall kam es am letzen Freitag an Bord des Zeppelins Elb-Alb-Express zwischen Zwiebelfalz und Hudelbux.

Elke Heidschnuck, die sich auf der Rückreise von einem literarischen Quintett in Zwiebelfalz befand, wurde vom neuen Fahrkartenkontrolleur, dem Inquisitor Iratus Blaesus aufgefordert, ihren Fahrschein vorzuzeigen.

“Als ich die Fahrkarte in den Tiefen meines Fells nicht sofort fand, hat er mich gepackt und durchgekitzelt”, erzählte das immer noch geschockte Schaf. “Ich habe mich fast zu Tode gelacht. Schrecklich”.

Völlig anders sah das Iratus Blaesus. “Da der Fahrgast die Fahrkarte nicht gefunden hat, habe ich ihm geholfen, sie zu suchen”, rechtfertigte sich der Inquisior.

Ein Sprecher des Elb-Alb-Express erklärte, man habe bereits Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen und werde Vierbeinern in Zukunft die Fahrkarte gut sichtbar ans Ohr heften.