Von exklusiv-hektisch bis stilvoll-gelangweilt: Die Prominenz der Metropolen Hudelbux und Zwiebelfalz verbringt das diesjährige Silvester äußerst unterschiedlich.

Hugo von Hudelbux will die sommerlichen Temperaturen nutzen und lädt zum Grillen auf dem Hudelbuxer Rathausplatz ein.

„Dazu gibt es Cocktails mit diesen lustigen bunten Schirmchen“, freut sich der Hudelbuxer Bürgermeister.

Renate Runkel feiert ökologisch korrekt und lädt zum Veggie(Jahres)Wechsel ein. „Der Jahreswechsel soll die Leute zum Wechsel der Ernährung anregen“, so die Zwiebelfalzer Bürgermeisterin.

Die Hudelbuxer Anstandsdamen liefern den moralischen Überbau, Schwester Abigail die Pillen mit den fehlenden Vitaminen. „Bei uns gibt es das ganze Paket“, so die vegane Front einstimmig.

Pater Pius will diesmal alles ganz anders machen. „Jedesmal dieses Gebimmel. Da muss man doch mal etwas Neues, Frisches dagegen setzen“, frohlockt der Zwiebelfalzer Hirte verheißungsvoll.

Im Duett mit seiner Haushälterin Marie will der Pater um Schlag Mitternacht die Ode an die Freude in der überarbeiteten Fassung für Fagott und Maultrommel auf dem linken Münsterturm zum Besten geben. Der Pater erwartet zahlreiche (freiwillige) Zuhörer.

„Spätestens am Sonntag bei der Beichte erfahre ich, wer geschwänzt hat“, mahnte der Pater mit erhobenen Zeigefinger.

Der Tanz in den Mai im Zwiebelfalzer Schloss ist DAS gesellschaftliche Highlight in Zwiebelfalz. Schon Wochen vorher werden unter der gestrengen Aufsicht der Hudelbuxer Anstandsdamen die Tanzschritte und Umgangsformen der zahlreichen Interessenten wieder auf Vordermann gebracht. Denn nur wer die abschließende zwölfstündige Prüfung in Theorie und Praxis mit einem Numerus Clausus von 1,2 oder besser besteht, darf auf ein Ticket für die begehrte Veranstaltung hoffen.

So besteht Hugo von Hudelbux, wegen seiner im Verhältnis zum Bauch viel zu kurzen Armen, den mit Renate Runkel durchzuführenden Eröffnungswalzer meistens nur knapp, und auch Elke Heidschnuck schafft die Abschlussprüfung nur mit Hängen und Würgen. Ihre vier Hufe kommen regelmäßig beim Walzer aus dem Takt (es ist aber auch schwierig, mit vier Beinen im 3/4-Takt zu tanzen!), glänzen aber beim Tango und beim Paso Doble. Außerdem ist Elke in der Theorie ein As.

Eine der gefragtesten Persönlichkeiten ist jedes Jahr Éstéphan Barbièrre, der Hudelbuxer Star-Coiffeur. Keine Dauerwelle oder Schafslocke, die nicht vom Meister persönlich gelegt und gepudert wurde, darf sich bei diesem Event zeigen. Auch hier gibt es strenge Auswahlkriterien, mit einer deutlichen Tendenz zur Opulenz des Barock (was eine weitere schwer zu bewältigende Hürde für Hugo darstellt, der meist auf eine Perücke zurückgreift).

Hat man alle Aufnahmeprüfungen bestanden, kann man sich auf eine wundervolle Veranstaltung freuen. Die Räuber aus dem Böse-Buben-Wald kümmern sich jedes Jahr rührend um die Garderobe, die Nonnen aus dem Kloster Zwiebelfalz um die alkoholfreien Getränke, Schwester Abigail für das romantische Drama (Viktor Vektor sagt regelmäßig in letzter Sekunde seine Teilnahme ab), und Mounty Roberts passt auf, dass keiner aus der Reihe tanzt.

Die kleine aber feine Regionalmesse für Hotellerie und Gastronomie in Zwiebelfalz lockt jedes Jahr  mit Hobbyköchen und Bratpfannenvertretern ein anspruchsvolles Fachpublikum in die Küche von Starkoch K. N. Obloch. Unter Anleitung des Meisters der Haute Cuisine köcheln Renate Runkel, die Anstandsdamen und viele andere Hobbyköche die feinsten Speisen.

Neben der traditionellen Küche mit Zutaten aus der Region, wie zum Beispiel Schmorgurken-Lachs-Kartoffelauflauf und Lammfleisch mit Minzsauce, werden auch die Gaumen von Fans der Molekularen Küche angesprochen. Wer schon immer mal gerne Ziegenmilch-Nudeln, Carbonara-Espuma oder Fruchtsaftkaviar zubereiten wollte und die Kindheit vorm Chemiebaukasten verbracht hat, ist hier richtig.

Für das unterhaltsame Rahmenprogramm sorgen regelmäßig Elke Heidschnuck und Zeitungsente Mechtild, die lautstark gegen den Verzehr von Lamm und Geflügelgerichten protestieren.

 

Marie, erste Sopranistin des Lustigen Tenors, tritt schlagkräftig für mehr Taktgefühl ein.

Beim Tag der offenen Tür in der Seniorenresidenz „Zum Kuckuck“ musste Mounty Roberts einen handfesten Streit zwischen der Flötenspielgrupe „Das hohe Fis“ und dem Gesangsverein „Zum lustigen Tenor“ schlichten.

Geplant war, dass beide Gruppen ein fröhliches Gesangsspiel vortragen sollten. Doch noch vor der ersten Note gerieten der Kapellmeister des „Hohen Fis“ und die erste Sopranistin des „Lustigen Tenors“, die Haushälterin von Pater Pius, aneinander. Schuld war eine marginale Abweichung des Taktgefühls beider Gruppen. Während „Das hohe Fis“ immer nach dem Hudelbuxer Standardtakt probte, takteten die Sänger des „Lustigen Tenors“ nach dem international fast anerkannten Zwiebelfalzer Hochtakt.

Schlichten konnte den mit Flöten und Taktstock ausgefochtenen Streit nur eine moralische Instanz, der man beileibe kein mangelndes Taktgefühl vorwerfen konnte: Die Hudelbuxer Anstandsdamen. Beide Schwestern übernahmen jeweils eine Gruppe und führten das geflötete Singspiel annähernd synchron nach Greenwich Standardtakt zu einem glücklichen Ende.

Hugo von Hudelbux im Gefängnis! Der Hudelbuxer Bürgermeister hat gegen das von den Anstandsdamen geforderte und von Hezekiel aus Versehen umgesetzte Alkoholverbot auf dem Zwiebelfalzer Weihnachtsmarkt verstoßen.

Auf die Spur gekommen sind ihm die Anstandsdamen. (Wer sonst …) „Uns ist aufgefallen, dass Hugos Weihnachtsmarkstand von Anfang an von einer Menschentraube umgeben war. Die kleinen hässlichen Miniaturmodelle des Hugo-von-Hudelbux-Denkmals konnten ja wohl kaum der Grund sein“, so die skeptischen Verfechter der Prohibition. „Wir konnten jedoch wegen der Menschenmassen um Hugos Stand nicht sehen, was die Leute angelockt hatte.“

Tatkräftige Unterstützung bekamen die Anstandsdamen von Mounty Roberts, der das Rätsel mit Hilfe einer Drohne lösen konnte. „Auf den Bildern konnte man eindeutig Hugo beim Ausschank vor einem großen Bierfass erkennen. Bierfass und Hugo wurden umgehend konfisziert“, so der resolute Ordnungshüter, der Hugo (ohne Bierfass) ins Gefängnis steckte.

Die Anstandsdamen freuten sich gleich doppelt: „Es ist immer schön, wenn ein Gesetzesbrecher seiner gerechten Strafe und Läuterung zugeführt wird“, so Schneeflittchen. „Wir haben uns so viel Mühe gegeben, das Gefängnis weihnachtlich-festlich zu schmücken – es ist schön, dass das jemandem zugute kommt“, ergänzte Dornhöschen.

Hugo von Hudelbux konnte dazu nicht interviewt werden – Zeitungsente Mechtild besuchte den Schwerverbrecher mit Ohrenstöpseln, weil ihre empfindlichen Ohren der Klangfülle von „Süßer die Handschellen nie klimpern“, eines individualisierten Weihnachtslieds, das der Gesangsverein „Hohes Fis“ extra für das Gefängnis aufgenommen hat und das bis einschließlich 27. Dezember in Endlosschleife gespielt wird, nicht gewachsen waren.