Der Tanz in den Mai im Zwiebelfalzer Schloss ist DAS gesellschaftliche Highlight in Zwiebelfalz. Schon Wochen vorher werden unter der gestrengen Aufsicht der Hudelbuxer Anstandsdamen die Tanzschritte und Umgangsformen der zahlreichen Interessenten wieder auf Vordermann gebracht. Denn nur wer die abschließende zwölfstündige Prüfung in Theorie und Praxis mit einem Numerus Clausus von 1,2 oder besser besteht, darf auf ein Ticket für die begehrte Veranstaltung hoffen.

So besteht Hugo von Hudelbux, wegen seiner im Verhältnis zum Bauch viel zu kurzen Armen, den mit Renate Runkel durchzuführenden Eröffnungswalzer meistens nur knapp, und auch Elke Heidschnuck schafft die Abschlussprüfung nur mit Hängen und Würgen. Ihre vier Hufe kommen regelmäßig beim Walzer aus dem Takt (es ist aber auch schwierig, mit vier Beinen im 3/4-Takt zu tanzen!), glänzen aber beim Tango und beim Paso Doble. Außerdem ist Elke in der Theorie ein As.


Eine der gefragtesten Persönlichkeiten ist jedes Jahr Éstéphan Barbièrre, der Hudelbuxer Star-Coiffeur. Keine Dauerwelle oder Schafslocke, die nicht vom Meister persönlich gelegt und gepudert wurde, darf sich bei diesem Event zeigen. Auch hier gibt es strenge Auswahlkriterien, mit einer deutlichen Tendenz zur Opulenz des Barock (was eine weitere schwer zu bewältigende Hürde für Hugo darstellt, der meist auf eine Perücke zurückgreift).

Hat man alle Aufnahmeprüfungen bestanden, kann man sich auf eine wundervolle Veranstaltung freuen. Die Räuber aus dem Böse-Buben-Wald kümmern sich jedes Jahr rührend um die Garderobe, die Nonnen aus dem Kloster Zwiebelfalz um die alkoholfreien Getränke, Schwester Abigail für das romantische Drama (Viktor Vektor sagt regelmäßig in letzter Sekunde seine Teilnahme ab), und Mounty Roberts passt auf, dass keiner aus der Reihe tanzt.

Die kleine aber feine Regionalmesse für Hotellerie und Gastronomie in Zwiebelfalz lockt jedes Jahr  mit Hobbyköchen und Bratpfannenvertretern ein anspruchsvolles Fachpublikum in die Küche von Starkoch K. N. Obloch. Unter Anleitung des Meisters der Haute Cuisine köcheln Renate Runkel, die Anstandsdamen und viele andere Hobbyköche die feinsten Speisen.

Neben der traditionellen Küche mit Zutaten aus der Region, wie zum Beispiel Schmorgurken-Lachs-Kartoffelauflauf und Lammfleisch mit Minzsauce, werden auch die Gaumen von Fans der Molekularen Küche angesprochen. Wer schon immer mal gerne Ziegenmilch-Nudeln, Carbonara-Espuma oder Fruchtsaftkaviar zubereiten wollte und die Kindheit vorm Chemiebaukasten verbracht hat, ist hier richtig.


Für das unterhaltsame Rahmenprogramm sorgen regelmäßig Elke Heidschnuck und Zeitungsente Mechtild, die lautstark gegen den Verzehr von Lamm und Geflügelgerichten protestieren.

 

Marie, erste Sopranistin des Lustigen Tenors, tritt schlagkräftig für mehr Taktgefühl ein.

Beim Tag der offenen Tür in der Seniorenresidenz „Zum Kuckuck“ musste Mounty Roberts einen handfesten Streit zwischen der Flötenspielgrupe „Das hohe Fis“ und dem Gesangsverein „Zum lustigen Tenor“ schlichten.

Geplant war, dass beide Gruppen ein fröhliches Gesangsspiel vortragen sollten. Doch noch vor der ersten Note gerieten der Kapellmeister des „Hohen Fis“ und die erste Sopranistin des „Lustigen Tenors“, die Haushälterin von Pater Pius, aneinander. Schuld war eine marginale Abweichung des Taktgefühls beider Gruppen. Während „Das hohe Fis“ immer nach dem Hudelbuxer Standardtakt probte, takteten die Sänger des „Lustigen Tenors“ nach dem international fast anerkannten Zwiebelfalzer Hochtakt.


Schlichten konnte den mit Flöten und Taktstock ausgefochtenen Streit nur eine moralische Instanz, der man beileibe kein mangelndes Taktgefühl vorwerfen konnte: Die Hudelbuxer Anstandsdamen. Beide Schwestern übernahmen jeweils eine Gruppe und führten das geflötete Singspiel annähernd synchron nach Greenwich Standardtakt zu einem glücklichen Ende.

Hugo von Hudelbux im Gefängnis! Der Hudelbuxer Bürgermeister hat gegen das von den Anstandsdamen geforderte und von Hezekiel aus Versehen umgesetzte Alkoholverbot auf dem Zwiebelfalzer Weihnachtsmarkt verstoßen.

Auf die Spur gekommen sind ihm die Anstandsdamen. (Wer sonst …) „Uns ist aufgefallen, dass Hugos Weihnachtsmarkstand von Anfang an von einer Menschentraube umgeben war. Die kleinen hässlichen Miniaturmodelle des Hugo-von-Hudelbux-Denkmals konnten ja wohl kaum der Grund sein“, so die skeptischen Verfechter der Prohibition. „Wir konnten jedoch wegen der Menschenmassen um Hugos Stand nicht sehen, was die Leute angelockt hatte.“


Tatkräftige Unterstützung bekamen die Anstandsdamen von Mounty Roberts, der das Rätsel mit Hilfe einer Drohne lösen konnte. „Auf den Bildern konnte man eindeutig Hugo beim Ausschank vor einem großen Bierfass erkennen. Bierfass und Hugo wurden umgehend konfisziert“, so der resolute Ordnungshüter, der Hugo (ohne Bierfass) ins Gefängnis steckte.

Die Anstandsdamen freuten sich gleich doppelt: „Es ist immer schön, wenn ein Gesetzesbrecher seiner gerechten Strafe und Läuterung zugeführt wird“, so Schneeflittchen. „Wir haben uns so viel Mühe gegeben, das Gefängnis weihnachtlich-festlich zu schmücken – es ist schön, dass das jemandem zugute kommt“, ergänzte Dornhöschen.

Hugo von Hudelbux konnte dazu nicht interviewt werden – Zeitungsente Mechtild besuchte den Schwerverbrecher mit Ohrenstöpseln, weil ihre empfindlichen Ohren der Klangfülle von „Süßer die Handschellen nie klimpern“, eines individualisierten Weihnachtslieds, das der Gesangsverein „Hohes Fis“ extra für das Gefängnis aufgenommen hat und das bis einschließlich 27. Dezember in Endlosschleife gespielt wird, nicht gewachsen waren.

 

Die Vorbereitungen für den Zwiebelfalzer Weihnachtsmark und die dazugehörigen Intrigen laufen auf Hochtouren.

Im für Organisation und Ablauf der Weihnachtsmarktvorbereitung verantwortlichen Zentralkomitee trafen am Freitag Abend im Zwiebelfalzer Kloster die unterschiedlichen Meinungen heftig aufeinander.

Während Renate Runkel für das schönste Weihnachtsfest plädierte, wünschte sich Hugo von Hudelbux das größte, Zeitungsente Mechthild das veganste und Oma das temperamentvollste (die Forderung war überflüssig, wie diese Planungssitzung zeigte).


Die Anstandsdamen apellierten an die Moral und forderten ein striktes Alkoholverbot, was zu einer hitzigen Debatte mit der Reliquie Hezekiel führte. Als Schlüsselbein und rechter Handknochen in Richtung Anstandsdamen flogen, sah sich Mounty Roberts genötigt, einzugreifen und die Reliquie in den klösterlichen Weinkeller zu sperren.

Zum Leidwesen von Oma verlief die restliche Sitzung nahezu friedlich.

Hochzufrieden waren die Anstandsdamen, als Hugo von Hudelbux am nächsten Morgen über Twitter bekannt geben musste, dass es dieses Jahr auf dem Weihnachtsmakrt keinen Glühwein geben würde. Sämtliche Vorräte aus dem Weinkeller im Zwiebelfalzer Kloster seien über Nacht vernichtet worden.

 

Zur Ankurbelung der Wirtschaft forderte der Rat einstimmig die Einführung einer Abwrackprämie. Weniger einstimmig war die anschließende Diskussion über die Verwendung.

Der Kämmerer forderte die Abwrackprämie für Bürgermeister mit einer Amtszeit über 25 Jahre. Der Bürgermeister forderte die Abwrackprämie für miesepeterige Kämmer und verlegte kurzerhand den Amtsitz des Nörglers aus renovierungstechnischen Gründen in das zweite Kellergeschoss des Rathauses.

Die Hudelbuxer Anstandsdamen forderten die Abwrackprämie für veraltete und unaussprechliche Wörter. „Erst kürzlich musste ich mir von der Haushälterin des Zwiebelfalzer Paters anhören, dass ich „A aldbachas Gloid“ hätte“, echauffierte sich Dornhöschen. Und erst recht der Hudelbuxer Rat sei geradezu angewiesen auf das sprachliche Fördergeld.


Der Hudelbuxer Bürgermeister tat laut kund, dass er sich eher für eine Abwrackprämie für überflüssige Umgangsformen erwärmen könne und warf die beiden Damen kurzerhand aus dem Sitzungssaal. Da die Diskussion zum Redaktionsschluss noch offen war, wird der Dorfpranger in einer seiner nächsten Ausgaben weiter darüber berichten.

Fest steht aber, dass Hugo von Hudelbux mal wieder etwas falsch verstanden hat, als der Kämmerer „Beamtenmülleimer“ vorschlug. „Ein Missverständnis“, jammert er jetzt, da sie verwendet werden. „Ich dachte, ich bekomme einen Privatmülleimer für meinen Privatmüll!“