Seit Wochen ist der Roman „Die Fantasie der Schwester A.“ auf der Hudelbuxer und Zwiebelfalzer Bestsellerliste. Die Buchhändler werden bei jeder neuen Lieferung regelrecht geplündert und sind in kürzester Zeit ausverkauft.

Dramatische Zustände spielten sich in der vergangenen Woche in der Zwiebelfalzer Bibliothek ab, als die ersten drei Exemplare des erotischen Romans zur Ausleihe freigegeben wurden.

Bibliothekar Fileas Flavius Florin ist das Entsetzen auch ein paar Tage nach dem traumatischen Ereignis noch immer ins Gesicht gemeißelt.


„Es war schrecklich. Dutzende Damen mittleren Alters belagerten die Bibliothek schon im Morgengrauen. Als ich die Tür aufschloss, wurde die Bibliothek gestürmt“.

Zwei Tage später durfte der Herr der Bücher das Krankenhaus wieder verlassen.

Doch auch bei der männlichen Bevölkerung findet der Roman Anklang. So berichtete der Postbote von Hugo von Hudelbux hinter vorgehaltener Hand, dass der Bürgermeister letzte Woche ein Päckchen im neutralen grauen Umschlag erhalten habe.

„Ich dachte mir, dass das Päckchen vom Gewicht und von der Größe ungefähr passen würde“, so der Postbote. „Ich würde so etwas natürlich nie lesen, aber meine Frau hat es auf dem Nachttisch.“


Durch eine Ungeschicklichkeit sei ihm der Umschlag aufgeplatzt. „Und siehe da, ich hatte recht“.

Neben Hugo von Hudelbux bestritten fast alle namhaften Bewohner von Hudelbux und Zwiebelfalz die gedruckte Erotik gelesen oder gar verfasst zu haben.
„So etwas kommt weder in unser noch aus unserem Haus“, wollten die Hudelbuxer Anstandsdamen unbedingt zitiert werden.

Nur Oma war beleidigt, dass ihr keiner das Machwerk unterstellt hat. „Fortgeschrittenes Alter und erotischer Roman schließen einander nicht aus“, so die resolute Seniorenresidenzlerin.