Pünktlich zur Zwiebelfalzer Buchmesse beutelt eine schwere Krise die eingeschworene literarische Gemeinschaft zwischen Literaturschaf Elke Heidschnuck und Bibliothekar Triple F. „Elke hat mich schwer enttäuscht“, hauchte Bibliothekar Fileas Flavius Florin mit letzter Atemkraft im Rahmen einer Not-Pressekonferenz, die angesichts seines zerrütteten Zustands in der Notaufnahme der Zwiebelfalzer Schlossklinik stattfand. „Hätte ich geahnt, dass sie so mit einem meiner Bücher umgeht, hätte ich ihr keines ausgeborgt!“

Normalerweise borge er sowieso keine Bücher aus seiner Bücherei aus, immerhin sei eine Bücherei für Bücher da und nicht für Leser. Bei Elke habe er eine Ausnahme gemacht. „Sie kommt aus einer Familie mit langer literaturkritischer Tradition, und ich habe mich sträflicherweise von ihrem umfassenden literarischen Wissen blenden lassen“, gestand der Bibliothekar zerknirscht eine Teilschuld an dem Malheur ein.


Eine Fotodokumentation des Dorfpranger hatte Elkes sträfliches Verhalten ans Licht gebracht. „Dass das Schaf ein Loch ins Buch beißt, hätte ich vielleicht noch verzeihen können, zumal es sich nur um Schwester Abigails Tagebuch handelte, das keinen besonderen literarischen Wert aufweist“, so Triple F. „Dass Elke ihren Fehler zu vertuschen versucht, ist viel schlimmer, und ein schwerer Vertrauensbruch.“ Am schlimmsten aber sei das Geflenne neben und über den Büchern. Das bringe das Raumklima empfindlich durcheinander und weiche auf Dauer die Seiten aller Bücher in der Bibliothek auf. „Unverzeihlich!“, so Fileas Flavius Florin.

Elke setzte sich tränenreich („Kann das Schaf nicht endlich mit dem Geheule aufhören!“, heulte Triple F.) gegen die Vorwürfe zur Wehr. „Ich habe Fileas gesagt, dass ich Bücher verschlinge, und ihm sogar gestanden, dass ich schnulzige Liebeserklärungen zum Fressen gern habe“, so Elke. Letzteres sei ihr zwar reichlich peinlich, aber man könne eben nicht aus seinem Fell.

Schwester Abigail ist nicht entzückt über das Schicksal ihres Tagebuchs.
Schwester Abigail ist nicht entzückt über die Kritik an ihrem Tagebuch, das auf unbekannten Wegen in den Bestand der Bücherei und damit in Elkes Hufe geriet.

Außerdem habe sie Abigails Tagebuch nicht wirklich verschlungen, sondern nur ein bisschen angefressen, was ihre Laune beim Lesen wiedergespiegelt habe. „Ich hatte mir von der Lektüre mehr Herzschmerz versprochen und nicht endlose Lobeshymnen auf Viktor Vektor„, so das reichlich unzufriedene Schaf. Insgesamt bleibe Abigails Tagebuch weit hinter allen noch so geringen Erwartungen zurück. „Die Gedichte für Dr. Vektor waren zum Heulen schlecht gereimt und gehen nicht einmal als Hausfrauenlyrik durch“, so Elkes vernichtendes Urteil. Insgesamt liege ihr die Lektüre ganz schön im Magen.

Wie und wie lange sich die Buchaffäre auf die dicke Freundschaft zwischen Elke („Ich bin nicht dick, ich bin nur plüschig!“) und Triple F. („Eigentlich sind Abigails Aufzeichnungen ja kein richtiges Buch.“) auswirkt, ist unklar. Ziemlich klar ist hingegen, dass es für beide Bücherfreunde besser ist, wenn sie Schwester Abigail in nächster Zeit aus dem Weg gehen, was im Rahmen der Zwiebelfalzer Buchmesse nicht ganz einfach sein dürfte, da Dr. Viktor Vektor auf der Messe sein 2.789 Seiten starkes neuestes Fachbuch vorträgt (zur Gänze!), und Abigail nun mal seine ergebenste Zuhörerin ist.

4 thoughts on “Schwere Krise in der Zwiebelfalzer Bücherei

  1. Ein Anschlag in Zwiebelfalz? Warum erfahre ich erst aus dem Dorfpranger davon? Ich werde die Bibliothek abriegeln, bis genau geklärt ist, wie das fragliche Buch aus Privatbesitz dort hin gekommen ist.

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