Eigentlich wollte Schwester Abigail nur ein paar Blümchen für ihren geliebten Chefarzt pflücken („Im Böse-Buben-Wald wachsen ganz hinreißende Vergissmeinnicht!“), doch dann begegnete sie dem Roten Rächer. „Der Maskierte fragte mich mit vorgehaltenem Sparschwein, ob ich meine Blümchensteuer bereits bezahlt habe“, so Schwester Abigail. Als eifrige aber gesetztestreue Blümchenpflückerin habe sie das natürlich längst erledigt. Der „Rote Rächer“, wie sich der Maskierte selbst nannte, habe ihr daraufhin auf allercharmanteste Weise bei der Vervollständigung ihres Blumenstraußes geholfen. „Er hat mir eine abgelegene Stelle gezeigt, an der ganz entzückende Himmelschlüsselchen wachsen“, hauchte sie mit einer Reihe von Augenaufschlägen.

Die Berichterstattung über den Roten Rächer hat nun einen riesigen Fan-Rummel ausgelöst. Hauptverdächtigter Hugo von Hudelbux, der zwar von der Statur wenig mit dem Roten Rächer gemein hat, aber bei nicht ganz koscheren Geldbeschaffungsmaßnahmen grundsätzlich immer der Hauptverdächtige ist, streitet zwar jede Beteiligung an der Geschichte ab, erhält aber dennoch Fanpost von der gesamten Hudelbuxer und Zwiebelfalzer Damenwelt.


„Männer mit Kopftüchern vor dem Gesicht sind so wahnsinnig verwegen“, seufzte etwa Schwester Abigail, die sich zumindest kurzfristig von Dr. Viktor Vektor abwandte. „Er mag ja ein schlechter Räuber sein, aber irgendwie ist er rührend“, ergänzte Putzfrau Marie, die sofort mit etwas Kleingeld den Räuberwald aufsuchte. Selbst die Anstandsdamen waren von den Umgangsformen des Roten Rächers ganz angetan.

Hugo von Hudelbux weigert sich, die Massen an Fanpost zu lesen (Wir vermuten, er macht das heimlich doch, der eitle Tropf!). Nun muss sich der arme Kämmerer darum kümmern und erstickt fast daran. Regelmäßig sieht man ihn panisch über die Flure des Hudelbuxer Rathauses hasten, wenn aus seinem Büro eine Papierflut quillt und jeden Besucher hinfortspült.

„Es ist ein Drama!“, jammert der Kämmerer. „Immer trifft es die Unschuldigen!“ Hugo von Hudelbux kann der Papierflut hingegen durchaus Positives abgewinnen: „Seit die regelmäßig durch die Gänge rauscht, wird das Rathaus von Bittstellern gesäubert. Das war überfällig!“, so das etwas arbeitsscheue Stadtoberhaupt.