Im Böse-Buben-Wald treibt ein Räuber sein Unwesen. Diese erschütternde Nachricht verkündete der Hudelbuxer Bürgermeister auf einer Pressekonferenz nach dem Frühschoppen im Gasthaus „Zur Gerüchteküche“. Den Einwand der Pressevertreter, dass dort doch schon der rote Rächer sein Unwesen treibe, ließ der Stadtoberste nicht gelten.

Der rote Rächer sei doch nur ein Trittbrettfahrer, der ehrlichen Steuersündern auflauere. Es gäbe auch schon einen konkreten Verdacht, wer sich hinter der roten Maske verstecke und man werde in den nächsten Wochen die Stempelkarten der Hudelbuxer Rathausmitarbeiter gründlich prüfen. „Ich bin mir sicher, dass es da interessante Überschneidungen zwischen den Frei- und Überfallzeiten gibt“, so der Bürgermeister, während er seinen Kämmerer fixierte.

Jetzt aber habe man es mit einem ganz anderen Kaliber zu tun, einem richtigen Räuber. Immer mehr Bürger seien in den letzten Wochen Opfer dieses Untäters geworden, der sich dreisterweise im Böse-Buben-Wald breitgemacht habe. Dabei gehe der Maskierte besonders perfide vor.

„Er täuscht Mitleid vor“, warnte Hugo von Hudelbux, „und bietet seinen Opfern an, ihnen ihr Geld zu lassen. Dafür nimmt der Räuber ihnen aber alle Kleider ab und lässt sie splitterfasernackt im Wald zurück.“ Viele seien erst erleichtert, mit Geld und Leben davongekommen zu sein. „Dabei wartet das eigentliche Grauen dann auf dem Heimweg“, so der Bürgermeister mit unheilschwangerer Stimme. „Die Anstandsdamen!“

Diese lauern den Opfern des Räubers am Waldrand auf und zerren unter dem Mäntelchen der Sittsamkeit jeden Nackten in das unbarmherzige Licht der Öffentlichkeit. „Ich kann nur jeden warnen“, so das Stadtoberhaupt. „Lieber das Geld abgeben, als Inquisition und Pranger erdulden!“

Woher er das Vorgehen des Räubers so genau kennt, blieb lange ungeklärt, bis Mechtild das Rätsel löste (siehe Bild!) Was der Räuber mit den erbeuteten Kleidern macht, ist unklar. „Vielleicht will er eine Boutique eröffnen“, mutmaßte Schwester Abigail, die ihren unvorschriftsmäßig kurzen Kittel gerne auszog und dem „sympathischen Bösewicht“ überließ. Sie sehe das als aktiven Existenzgründerzuschuss, so die Schwester.