“So kann ich nicht arbeiten”, maulte Pater Pius, als ihm zum wiederholten Mal eine Fledermaus in den Messkelch fiel. “Bislang habe ich das Genörgel unserer Reliquie Hezekiel und den schrecklichen Gesang unserer Putten als Prüfungen meiner Willensstärke und meines Glaubens angesehen. Aber die Flugvorführungen von Igor und seiner Fledermausbande während der Messe bringen den Kelch zum Überlaufen – jetzt ist Schluss.”

Die Klage blieb jedoch ungehört. Renate Runkel und Hezekiel sind auf Kur, die Putten haben keine Ohren und Igor hört nur im Ultraschallbereich – ansonsten wagte es in den vergangenen Tagen niemand mehr, den Gottesdienst zu besuchen. Pater Pius zog sich in die Krypta zurück und schmollte. Seine Haushälterin fand ihn “in reichlich desolatem Zustand, fast ebenso desolat wie die Krypta selbst”.

Sofort machte sie sich ans Aufräumen der Krypta und der Verfassung des Paters. Beim Aufrichten der Grabplatten brach die resolute Frau durch den maroden Boden und fand sich in einem weitläufigen Höhlensystem wieder. “Das ist die Lösung”, jubelte Pater Pius. “Hier wird sich Igor mit seiner Sippe bestimmt wohlfühlen!”

Mit ein paar ausgewählten und funkelnden Stücken des Zwiebelfalzer Münsterschatzes ließen sich Igor und seine Verwandten in die Höhlen unter dem Münster locken. Nach ein paar Proberunden um die Tropfsteine schienen die Fledermäuse ganz angetan von ihrem neuen Domizil.  Pater Pius war zufrieden und verließ die Krypta.

Nicht zufrieden war Renate Runkel, Bürgermeisterin und oberste Aufseherin des Zwiebelfalzer Tourismusverbandes, als ihr die Neuerungen zu Ohren kamen.

“Igor ist mittlerweile unser Münstermaskottchen”, sagte sie. “Und in der Höhle kann ich ihn nicht gebrauchen. Das soll eine Touristenattraktion werden, kein Naturschutzgebiet!”