Die Neujahrsrede ist das Highlight des Jahres in Hudelbux und Zwiebelfalz. Damit aber nicht alle gleichzeitig reden, wird jedes Jahr per Los entschieden, wer die Rede halten darf. Das führt regelmäßig zu Streit, da manche Persönlichkeiten, wie z.B. der Hudelbuxer Bürgermeister schon öfter die Rede halten durften, während andere, wie z.B. der Inquisitor („Ich hätte soviel schöne Dinge zu erzählen“), noch kein einziges Mal antreten durften.

In diesem Jahr entschied das Los (mal wieder) für Hugo von Hudelbux. Die ersten Entwürfe der Rede werden normalerweise relativ zügig nach Losentscheid aus dem vertraulichen Umfeld des Redners an den Dorfpranger kolportiert. In diesem Jahr blieben diese Informationen jedoch aus. Auch die zweite, sonst sehr, sehr zuverlässige Informationsquelle des Dorfprangers, der Wirt der Hudelbuxer Kneipe, Alfons Knörps, musste bisher passen („Der Alte hat nichts erzählt, selbst als er sternhagelvoll war“).


Daher war es nicht verwunderlich, dass sich Anfang dieser letzten Woche des Jahres eine leichte Panik unter den Hudelbuxer und Zwiebelfalzer Bürgern verbreitete und Mounty Roberts am Telefon Dutzende besorgte Anrufer beruhigen musste: „Wir haben die Lage im Griff.“

Pater Pius hat für den nächsten Freitag zu einem Sondergottesdienst eingeladen. „Ich werde für den Bürgermeister beten.“ Oma sieht das alles ganz gelassen. „Ich habe zwei Weltkriege überlebt.“ Doch Renate Runkel warnte bereits vor einer Katastrophe. „Wenn Hugo die Rede frei hält, dann Gnade uns Gott.“