igor_besuch_schwiegermutter
Oh je! Careninas Besuch lässt die Diebstähle in die Höhe schnellen.

Das hätte nicht kommen dürfen. Oder, richtiger, sie hätte nicht kommen dürfen. Sie, die Diva unter den Vampiren, die Aristokratin, die nur blaues Blut saugt, die anspruchsvolle Dame mit den Starallüren, die dank Sonnenbrille auch tagsüber fliegt und in Zwiebelfalz Angst und Schrecken verbreitet.

Die Rede ist von Carenina, Igors Schwiegermutter, die mit ihrem gesamten Hofstaat angerückt ist, um Igors neues Domizil in der Tropfsteinhöhle zu inspizieren. Natürlich musste sie an allem herumnörgeln. “Alles kahl, nur Stein und Wasser, und alles öd und fad”, quengelte sie. (Zeitungsente Mechtild ist es endlich gelungen, das bislang unverständliche Ultraschallgefiepe der Flugmäuse zu übersetzen – ein Fehler, wie sich herausstellte, denn eigentlich will keiner das Gemaule hören, aber das nur am Rande.)

Igor war tief geknickt. “Ich war schon immer eine Enttäuschung für meine Schwiegermama”, schniefte er. “Dass ich mich überhaupt mit ihrer Tochter Anastasia vermählen durfte, grenzt an ein Wunder!” (Wir vermuten, dass es sich hier eher um eine Unebenheit im ansonsten makellosen Stammbaum Careninas handelt, immerhin ist Anastasia eine pazifistische und vegetarische Flughündin, die nicht recht in die Familie passt.)

Dabei hatte sich Igor wirklich bemüht, seiner Verwandschaft einen würdigen Empfang zu bereiten. “Ich habe für Carenina extra ein Blutbad im Oberstübchen meiner Höhle eingerichtet und einen Plasmabildschirm besorgt!”, sagte er.

Damit alles noch ein wenig hübscher wird und vielleicht Careninas Ansprüchen genügt, hat er sich nun auf eine alte Familientradition besonnen. “Der Urgroßneffe meines angeheirateten Stiefonkels war eine Elster”, erklärte er und stiehlt neuerdings alles, was glänzt oder ein wenig morbide ist. Sehr zum Verdruss von Pater Pius, dessen Münster Schritt für Schritt um seine Kunstschätze und Reliquien erleichtert wird.

“Ige.. Iga.. Ignaz hat einen Heiligenschein entwendet und tarnt sich als Putte”, empörte er sich. “Dadurch ist es noch schwerer, ihn zu fangen.” Also hat sich der tapfere Pater in die Höhle des Löwen gewagt, bzw. in die Höhle der Blutsauger, um seine verloren gegangenen Schätze wieder einzusammeln. Er erlebte dabei Haarsträubendes. “Alleine gehe ich da nicht mehr hin. Entweder Sie kommen mit, oder der ganze Krempel bleibt, wo er ist!”, drohte er.