Hezekiels Auferstehung am 17. April ist nur ein klitzekleiner Feiertag in Zwiebelfalz, den die Zwiebelfalzer am liebsten nie eingeführt hätten. Erst boykottierte nur Pater Pius die Auferstehung. Inzwischen gehen die meisten Zwiebelfalzer an diesem Tag wieder zur Arbeit (sogar in den Jahren, an denen Hezekiels Auferstehung mit einer weit prominenteren Auferstehung und einem echten Feiertag zusammenfällt), um bloß nicht mehr an das Ereignis und seine unseligen Konsequenzen erinnert zu werden.

Vor Jahren sah das noch ganz anders aus. “Dr. Viktor Vektor ist ein Genie!”, schwärmte Hezekiel damals. “Ich fühle mich wie frisch aufgebahrt!” In einer mehrwöchigen Operation hat der Arzt die Reliquie wieder zusammengesetzt, die bis dato in mehreren Truhen vor sich hin rottete.

“Ich habe schon immer gerne Puzzle gelegt”, so der bescheidene Arzt (Ja, Viktor Vektor war mal jung und bescheiden und kein Chefarzt!) damals. “Dieses hier war besonders schwierig. Die Teile waren überall verstreut. Jetzt ist Hezekiel wieder so gut wie neu.”

Die Zwiebelfalzer waren begeistert, warfen den alten Chefarzt (den sowieso keiner mochte und an dessen Namen sich heute nicht ‘mal mehr Oma erinnert) aus der Schlossklinik, beförderten Viktor Vektor zum Chefarzt und erklärten Hezekiels Auferstehung zum Wunder und zum Feiertag.

Hezekiel freute sich sichtlich über die neue Bewegungsfreiheit und den Feiertag, aber Hezekiel wäre nicht Hezekiel, wenn er nicht etwas zu stänkern hätte. “Viktor mag ein Genie sein, aber er hat keine Augen im Kopf!”, maulte er. “Ich hatte nie so große Füße! Das sind im Leben nicht meine Füße!”

Lakonisch machte Viktor Vektor die Reliquie darauf aufmerksam, dass es ja auch nicht “im Leben” seine Füße sein müssten. Ausnahmsweise ließ Hezekiel es dabei bewenden und stieß stattdessen mit den ständig nörgelnden Putten Kein und Aber auf sein Wohl an. Die beiden waren entzückt, endlich einmal Wein kosten zu können, sind seither bei jeder sich bietenden Gelegenheit (also eigentlich ständig) angeschickert und stören die Andacht der Messe mit Gekicher und Gesängen, von denen keiner vermutet hätte, dass sie über die Lippen einer katholischen Putte kommen könnten.

Hezekiel selbst fuhr der Wein derart in die Knochen, dass er ganz rosarot wurde und eine merkwürdige Heiterkeit und Hitze ausstrahlte. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten wagte er sich sogar ins Freie und nahm, trotz Viktor Vektors eindringlichem Abraten, am großen Osterrennen teil, bei dem er allerdings disqualifiziert wurde (“Teilnehmer dürfen nicht älter als 88 Jahre sein”, so die Organisatoren. “Das war schon immer so und wird auch so bleiben!”).

“Wenn Hezekiel weiter so herumtobt, wird er bald wieder auseinanderfallen”, unkte der Arzt. “Das wäre ein Jammer, er ist mir wirklich gut gelungen.” Pater Pius hingegen nannte Viktor Vektors neuestes Meisterstück “ein Frevel an der Schöpfung, das zudem meinen Messwein klaut. Nichts ist vor dem Skelett sicher, egal, wo ich die Weinvorräte verstecke!”

Hezekiels Weinraubzüge beschränken sich nicht nur auf das Münster, sondern auch auf die umliegenden Keller, also nahezu alle Zwiebelfalzer Gebäude. Und so kam es, dass sich immer mehr Zwiebelfalzer Bürger die ewig nörgelnde und besoffene Reliquie wieder zerlegt in ihre Truhen zurückwünscht. Einzig Renate Runkel sieht in Hezekiels Diebstählen einen konstruktiven Beitrag zu ihrer nicht durchzusetzenden Anti-Alkohol-Kampagne.