Die mit Spannung erwartete Präsentation des neuen Staubsaugerroboters war eine Enttäuschung auf ganzer Linie: Das Gerät lief störungs-, pannen- und eklatfrei.

Schon im Vorfeld hatte es heftige Diskussionen, ja, sogar Streitigkeiten wegen des neuen Reinigungsroboters gegeben, dessen Produktion Jungunternehmer, Hobbyerfinder, Surfer und Start-Up-Gründer John Smith jr. im vergangenen Herbst angekündigt hatte.

“Damals lag das Laub knietief in den Alleen, und die armen Zwiebelfalzer mussten nicht nur wöchentlich, sondern mehrmals täglich ihre Kehrwoche machen”, erzählt ein mitfühlender John Smith. Das habe ihn auf die Idee gebracht, den ultimativen Kehrroboter zu konstruieren. “Er wird fegen, staubwischen und Spinnweben entfernen können. Und das sowohl in- als auch outdoor”, versprach Smith damals.

Der erst kürzlich aus Kalifornien zugezogene Smith konnte nicht ahnen, dass er mit der bloßen Andeutung einer potenziellen Erleichterung, damit auch Gefährdung und möglicherweise gar Abschaffung der Kehrwoche eine handfeste Revolte anzettelte: “Das ist Tradition! Das lassen wir uns nicht nehmen”, schimpfte Haushälterin Marie, die in Sachen Kehrwoche ihren Besen stets in vorderster Front schwingt. Immerhin sei historisch belegt, dass es die Kehrwoche bereits seit dem Jahr gäbe, in dem “dieser inkompetente, ignorante Italiener (Anm. d. Red.: gemeint ist Columbus) sich mit seinem schäbigen Kahn verfahren” und dabei “zufällig die Entdeckung dieses Kaliforniens” möglich gemacht habe, aus dem der “junge Ignorant” (Anm. d. Red.: gemeint ist John Smith jr.) stamme und in das er “sofort wieder abreisen” könne.

Die Besorgnis der Bevölkerung nicht so wirklich ernst nehmend, trieb Smith nichtsdestotrotz seine Idee und seinen Staubsauger voran und ließ sich weder von Sabotageakten, übler Nachrede noch von Demonstrationen aufhalten. Nicht einmal eine mehrwöchige Entführung mit strenger Nulldiät konnte ihm seine gute Laune verderben. “Ich war mit den vielen Käsespätzle und der ständigen Soße sowieso ein wenig in die Breite gegangen”, sagte er nach seiner Flucht nachsichtig. “Jetzt bin ich wieder in Topform.”

Am vergangenen Samstag stellte der Wahl-Hudelbuxer seinen Roboter nun der Bevölkerung vor. Die Präsentation wurde mit ungeheuerer Spannung erwartet. “Dass Smith sie auf den traditionellen Kehrwochentag ansetzte, haben viele von uns als Provokation empfunden”, so eine brave Zwiebelfalzer Hausfrau (ja, solche gibt es, wir erwähnen sie nur nie; sie sind langweilig), die nicht namentlich genannt werden will.

Haushälterin Marie rückte mit Besen, Nudelholz und umfangreicher moralischer Unterstützung zu dem Ereignis an. (“Wir werden es diesem kultur- und traditionslosen Lumpen schon zeigen!”) Die Presse (das sind wir) reservierte sich die besten Plätze, und die Räuber belegten wie immer die zweitbesten (“Wenn es bei solchen Veranstaltungen zu Ausschreitungen kommt, ist das die ideale Chance für Taschendiebstahl.”) Findige Hudelbuxer, die das schnelle Geld witterten, bezogen mit ihren Bauchläden Stellung und boten diverse für Handgreiflichkeiten geeignete Gegenstände feil.

Doch die hoch gesteckten Erwartungen wurden bitter enttäuscht: Es gab keinen Eklat. Keine Ausschreitungen. Nicht einmal eine Panne. Und kein noch so klitzekleines Skandälchen. Kurzum: Die Präsentation war eine umfassende Enttäuschung, über die zu berichten wirklich nicht lohnt. Aber wir sind eine Zeitung, und einer unserer Mitarbeiter verbrachte einen unsäglich langweiligen Nachmittag und will dafür bezahlt werden.

Einzig die Anstandsdamen waren glücklich. “Seit unserer Kindheit bauen Schneeflittchen und ich Puppenhäuser”, erzählt Dornhöschen. “Es ist faszinierend, diese kleinen Welten zu schaffen. Und es ist ungeheuer schwierig, beinahe unmöglich, sie sauber zu halten. Selbst für unsere zarten Damenhände ist es eine Herausforderung, etwa die winzigen Schubladen in der Spielzeugküche zu reinigen. Als John Smith uns von seinem Roboter erzählte, waren wir sofort begeistert und haben ihn unterstützt, wo wir nur konnten.”

“Innerhalb von nur 12 Minuten räumte John Smith jr. Reinigungsroboter das historische Puppenhaus unserer Großmutter auf”, ergänzt Schneeflittchen mit vor Aufregung glühenden Wangen. “Die winzigen Möbel poliert, der Fußboden gewienert, die Tischdecken gebügelt, die Fenster geputzt, die Schubladen entstaubt, die Bonsaibäume im Puppengarten gestutzt, die Blumen gegossen und jede noch so winzige Spinnwebe entfernt. Es ist fantastisch, was dieses unscheinbare Gerät alles kann!”

Das unscheinbare Gerät ist im übrigen so unscheinbar, dass es nicht einmal dem Dorpfranger gelungen ist, von dem 1 x 1 x 0,7 cm großen Kästchen ein Foto zu machen, das auch nur ein klitzekleines Bisschen theatralische Größe oder wenigstens pittoresken Charme hat. Wir belassen es diesmal mit unser gerechten Empörung und hoffen inständig, dass die skandalfreie Zeit bald ein Ende hat.