Das Zwiebelfalzer Naturtheater öffnet wieder seine Pforten. Wie im jeden Jahr spielte sich das eigentliche Drama schon Wochen vor der ersten Aufführung ab.

Auch wenn das Naturtheater auf Zwiebelfalzer Boden liegt, hat auch Hudelbux ein Mitspracherecht. Ob aus verquerem Glauben an das Gute oder aus purer Boshaftigkeit, vermachte der verstorbene Gründer und Theaterkritiker Urs Lübli beiden Gemeinden das Theater und einen ordentlichen Topf voll Geld für den Spielbetrieb unter der Bedingung, dass der Spielplan in jedem Jahr gemeinsam beschlossen werden muss.  Seitdem kommt es jedes Jahr zum kulturrellen High Noon im Hudelbuxer/Zwiebelfalzer Kulturausschuss, indem die ehemals besten Freunde Fileas Flavius Florin und Elke Heidschnuck als Vorsitzende aufeinandertreffen.

Bei den einleitenden Worten von Bürgermeisterin Renate Runkel („Das historisch bedingte einmalige städtebauliche Lokalkolorit beider Kapitalen bietet uns eine Gunst des Schicksals zur Aufführung von Symbiosen maritimer und älblicher Theaterpoesie feil“) und Bürgermeister Hugo von Hudelbux („Wie meine werte Kollegin schon gesagt hat, können wir dadurch alles von „Klaus Störtebecker“ bis zur „Holden Maid von der Alb“ im passenden Rahmen aufführen“)  keimt noch ein Funken Hoffnung auf, dass es in diesem Jahr einen friedliche Konsens geben könnte.

Doch wie so oft im Hudelbuxer/Zwiebelfalzer Spannungsbogen eskalierte die Diskussion bereits vor der Aufnahme sämtlicher Getränkebestellungen der Ausschussmitglieder. Während die Zwiebelfalzer (mit Ausnahme Hezekiels, dieses lausigen Verräters) jedes Jahr für eine Komödie stimmen, tendieren die Hudelbuxer Ausschussmitglieder regelmäßig für ein Drama.

Die jeweiligen konstruktiven Argumente („In Zwiebelfalz gibt es doch keine Komödianten!“ – „In Hudelbux sitzen die alle im Rat!“) tragen meistens auch nicht zu einer einvernehmlichen Lösung bei, und auch der wie im jeden Jahr dramatische Auftritt des Hudelbuxer Kämmerers („Das ist jetzt nicht die Zeit für Fröhlichkeit“) bringt die Zwiebelfalzer nicht von ihrer Forderung nach einer Komödie ab.

Schlussendlich helfen meist nur Erpressung (Veröffentlichung des Fotos von Hugo von Hudelbux beim Vollmond FKK), Bestechung (so hat Zwiebelfalz die Schlossklinik und Hudelbux das Finanzamt erhalten) oder Wetttrinken (da ist Hudelbux aber meist im Vorteil). Das so zustande gekommene Motto lautet in diesem Jahr: —

— Just an dieser Stelle ist, wie die Redaktion des Dorfpranger etwas peinlich berührt eingestehen muss, die Aufmerksamkeit unserer Zeitungsente offenbar verlustig (Mechtild ist ein Komödienvertreter) gegangen (möglicherweise eine Nebenwirkung des Wetttrinkens, bei dem sich Mechtild sehr für die Zwiebelfalzer Sache ins Zeug gelegt hat), und das Theatermotto bleibt vorerst im Dunkeln, auch wenn Hezekiel und der Hudelbuxer Kämmerer behaupten, es sei ganz eindeutig für „Sein oder nicht sein“ gestimmt worden. Da Hezekiel und der Kämmerer seit Jahren auf eine tragende bzw. getragene Hauptrolle hoffen, und der Hudelbuxer Kämmerer sich existenziellen Unkenrufen immer gerne anschließt, steht diese Aussage aber möglicherweise auf schwachen Füßen.

Was außer der Tragödie rund um die Wahl des Stücks diesen Sommer zur Aufführung kommt, weiß leider keiner, nicht mal der Dorfpranger.