In heller Aufregung befinden sich im Moment die Nonnen im Zwiebelfalzer Kloster: Im Kapitelsaal blüht ein Blümlein. “Es ist ein göttliches Zeichen”, so die Äbtissin. “Noch dazu, wo die Blüte perfekt zu den Buntglasfenstern passt.” Sie wolle sofort ein Schreiben an den Papst verfassen, der das Blümchen-Wunder in den offiziellen Wunderkatalog aufnehmen solle.

Davon erhofft sich die Äbtissin nicht nur einen Aufschwung des Klosters (insbesondere der Wiedereinführung einer Mönchsabteilung), sondern auch des Zwiebelfalzer Tourismus. “Wir könnten Wallfahrtsgemeinde werden”, so die Äbtissin. “Das ist mindestens ein Klasse-8-Wunder!” Der gutmütige Pater Pius jedenfalls ist von dem Wunder überzeugt. In einem ergreifenden Gottesdienst segnete er das (von Renate Runkel als gemeines Mauerblümchen identifzierte) Pflänzchen. “Das Kloster blüht auf!”, formulierte er es in seiner Segnung erstaunlich unblumig.

Nicht entzückt ist hingegen seine Putzfrau Marie, die der improvisierten Messe im Kapitelsaal beiwohnte. Nur unter Androhung von Zwangsmaßnahmen konnte sie daran gehindert werden, das “Unkraut” auszurupfen und die Ritzen zwischen den Steinen mit dem antiseptischen Besen zu bearbeiten.

Auch Bibliothekar und Geschichtsschreiber Fileas Flavius Florin, der aus unerfindlichen Gründen nicht allzu gut auf die Schwestern Ines, Ignatia, Innocencia und deren Äbtissin Inkompetencia zu sprechen ist, gab sich zurückhaltend, wenn nicht gar abwertend. “Das ist das erste Mal in der 653-jährigen Geschichte, dass hier etwas Blüten treibt!”, giftete er. “Wenn man einmal von einem deutlichen Hang zum übermäßigen Messweingenuss absieht.”